Im Aufwind Gottes leben Der Heilige Geist – wer ist er und wie wirkt er?

Christina Krause

Nordhelle im Sauerland. Hier trafen sich die Navi­gatoren in diesem Jahr zur HerbstKonferenz (HeKo). Passend zum Titel „Im Aufwind Gottes leben“ war unsere Unterkunft nicht nur zwischen sanften Hügeln, sondern auch zwischen einigen Windrädern gelegen. Der Ort war ein anderer als in den Jahren zuvor, und auch sonst war einiges neu: Diesmal gab es nicht nur für die kleinen Navigatoren ein eigenes Programm, sondern auch eins für Jugendliche bis 17 Jahre, das die Mitarbeiter der Schülerarbeit auf die Beine gestellt hatten. Und in der Navigatorenarbeit spielt das Ausland eine immer wichtigere Rolle. Generell gilt: Der Osten ist im Kommen. Stephan und Thea Huth berichteten von ihrer Arbeit

in Slowenien. Weiter auf der Karte Richtung Osten kommen wir dann schon in

den Vorderen Orient. Ein junges Ehepaar plant, mit seinen Kindern dort seine Zelte aufzuschlagen. In Bangkok, Thailand, leben Roland und Astrid Bartholomé seit einigen Jahren schon als Missio­nare und gaben Einblicke in ihr Leben. Im ganz fernen Osten, nämlich in Japan möchte Martina Dammeyer „living and discipling among the lost“ zu ihrer Aufgabe machen.

 

Zurück zum Thema der HeKo. Der Titel klingt nach Abenteuer, nach Bewegung und Veränderung: Im Aufwind Gottes. Fliegen mit Gott? Gemeinsam mit Wolf Christian Jaeschke, Kelley McCutchen und Daniel Ackers gehen wir der Frage nach, was es bedeutet, im Aufwind Gottes zu leben. 

 

Wer beim Fliegen keine Bauchlandung hinlegen will, muss erstmal Unterricht nehmen. Zunächst betrachten wir also mit Wolf Christian die theologischen Grundlagen: Wer ist der Heilige Geist? Wie erklärt und versteht die Bibel die Dreieinigkeit? Anschließend folgte die Praxis mit Kelley und Daniel: Wo sehen wir den Heiligen Geist in unserem Leben? Wo spüren wir den Aufwind Gottes?

           

Mit Blick auf Altes und Neues Testament stellen wir fest, dass Gott sich stufenweise offenbart: Im Alten Testament sehen wir erst einmal Gott, den Vater am Werk. In den Evangelien sind wir dann Zuschauer der Taten Jesu. In der Apostelgeschichte erleben wir schließlich die Taten des Heiligen Geistes. Gott offenbart seine Dreieinigkeit nacheinander, dennoch war er schon immer dreieinig. Das Hervorgehen des Sohnes aus Gott und das Hervorgehen des Heiligen Geistes aus Gott ist etwas Vorzeitliches, immer schon da Gewesenes. In der frühen Kirche erklärte man die Dreieinigkeit durch die Unterscheidung von substantia (ein Wesen) und persona (drei Personen). Man sagte: „Licht aus Licht, wirklicher Gott aus wirklichem Gott“ – ähnlich wie bei Kerzen, die aneinander angezündet werden, so dass wir drei Kerzen haben, die alle aus einer Flamme entstanden sind.

 

Ausgangspunkt für die Dreieinigkeit ist

also Gott selbst, sein Wort (Jesus) und sein Geist. Gott, der Vater und Jesus, der Sohn, keine Frage, das sind Personen, aber der Heilige Geist? Durch die Menschwerdung Jesu ist die zweite Person der Dreieinigkeit für uns „anschaulich“ geworden. Der Heilige Geist allerdings ist nicht sichtbar und insofern für uns schwieriger zu verstehen. Aber am Pfingsttag kommt er, wie schon vor ihm Jesus, zu uns und ist unter uns wirksam. Gewissermaßen kommt in den Evangelien die zweite Person der Dreieinigkeit „zur Welt“, in der Apostel­geschichte die dritte. So wie Weihnachten die Personhaftigkeit des Wortes Gottes zeigt, wird durch Pfingsten die Personhaftigkeit des Geistes deutlich.

           

Das Wirken des Heiligen Geistes können wir im Alten Testament zum Beispiel in

2. Mose 40, 34–38 sehen. Hier geht es um die Stiftshütte, die mit dem Heiligen Geist erfüllt wird (der später dann den Tempel erfüllt). Wolf Christian nennt diese Begebenheit das alttestamentliche Pfingsten. Im neutestamentlichen Pfingsten passiert etwas ganz Ähnliches. Hier geht es jedoch nicht um den Tempel als Gebäude, sondern um Jesus. Der neue Tempel, der Leib Christi, der nach drei Tagen wieder aufgerichtet wird, sind die Gläubigen selbst.

Das Volk Gottes, der Leib Christi, wird mit dem Heiligen Geist erfüllt.

           

Soweit die Grundlagen. Nun die ganz praktische Frage: Wie können wir den Heiligen Geist erleben? Fliegen wir schon oder flattern wir noch?

           

Kelley lässt uns daran teilhaben, wie sie das Wirken des Heiligen Geistes in ihrem Leben erfahren hat. Das Erleben des Heiligen Geistes ist für sie eng mit der

Bibel verquickt.

           

Der Heilige Geist interpretiert, was wir lesen, und macht uns auf biblische Aussagen und Zusammenhänge aufmerksam. Er zeigt uns Dinge in unserem Leben auf und stellt sie in sein Licht. Häufig bewirkt er, dass uns im richtigen Augenblick Bibelstellen einfallen, die

wir schon kennen, genau dann, wenn wir sie brauchen.

           

Der Heilige Geist offenbart uns unsere Identität als Kinder Gottes: „Er ist der Geist, den ihr als seine Söhne und Töchter habt. Von diesem Geist erfüllt rufen wir zu Gott: ,Abba Vater!' So macht sein Geist uns im Innersten gewiss, dass wir Kinder Gottes sind.“ (Römer 8,15–16) Der Heilige Geist erinnert uns an diese Tatsache und öffnet uns die Augen für seine Sicht der Dinge. Er hilft, dass das, was wir im Kopf als Wahrheit erkennen, in unser Herz rutscht: Er ist mein Vater, ich bin sein Kind!

           

Der Heilige Geist hilft uns zu beten. So heißt es im Römerbrief (8,26), dass der Geist Gebete, die wir nicht ausdrücken können, durch Stöhnen oder Seufzen für uns ausdrückt.

           

Der Heilige Geist leitet uns ... und wir können lernen, ihm zu folgen: „Aber wenn der Helfer kommt, der Geist der Wahrheit, wird der euch anleiten, in der vollen Wahrheit zu leben.“ (Johannes 16,13)

           

Wie die Rolle des Heiligen Geistes bei der Ausbreitung des Evangeliums aussieht, macht Daniel deutlich an dem biblischen Beispiel Serubbabels (Sacharja 4,6–10) und vergleicht es mit seiner eigenen Arbeit als Leiter der Studentenarbeit der Navigatoren. In Sacharja 4,6–10 heißt es: „Es soll nicht durch Macht und nicht durch Kraft, sondern durch meinen Geist geschehen, spricht der Herr der Heerscharen.“ Das gilt nicht nur für Serubbabel, sondern auch noch heute im Hier und Jetzt: auf der Arbeit, an der Uni. Nicht auf unsere Möglichkeiten, unsere Stärken (oder Schwächen) kommt es an, sondern auf den Geist Gottes. Er ist der Herr der Heerscharen, der bewegt, anrührt und Glauben schenkt. „Der Wind weht, wo er will und du hörst sein Sausen, aber du weißt nicht, woher er kommt und wohin er geht.“ (Johannes 3,8) Wir sind vollkommen abhängig von Gott, er bestimmt, wo der Geist weht und wer das Sausen wahrnimmt. Dieses geheimnisvolle, undefinierbare Sausen wird an zwei Dingen sichtbar: Es geht einmal um Veränderung, durch den Geist bewirkt. Veränderung, die wir menschlich nicht schaffen können. Zum anderen geht es immer um Jesus: „Der Heilige Geist wird mich verherrlichen.“ (Johannes 16,14) Der Heilige Geist ist wie ein Scheinwerfer, der Jesus anstrahlt. Bei der Ausbreitung des Evan­geliums stehen nicht wir mit unseren Fähigkeiten im Mittelpunkt, sondern es geht darum, dass Jesus durch den Geist verherrlicht wird.

 

Vielleicht verspüren wir deshalb dieses Sausen, das Wirken des Heiligen Geistes, gerade da, wo wir an unsere eigenen Grenzen stoßen. Da, wo wir merken, dass wir von Gott und seinem Geist abhängig sind und dass wir ohne ihn nichts tun können. Dass er uns Worte gibt, wo wir aus uns heraus keine finden. Jesus sagt in Johannes 16,8 über den Heiligen Geist: „Wenn er kommt, wird er der Welt die Augen auftun über die Sünde und über die Gerechtigkeit und über das Ge­richt.“ Nehmen wir es doch einfach dankbar an, dass Gott das „Augen öffnen“ über­nimmt, mit uns als Werkzeug. Im Alten Testament wirkt der Heilige Geist schöpfend, lenkend, offenbarend, anregend, und er verleiht Fähigkeiten. Im Neuen Testament heißt es vom Heiligen Geist, er höre, spreche, gebe Zeugnis, überzeuge, verherrliche Jesus, leite, unterrichte, gebe Worte ein. Ohne den Heiligen Geist können wir nichts tun. Er tut alles.                                         

 

Kommen wir zurück zu Serubbabel: „Er wird hervorholen den Schlussstein … Die Hände Serubbabels haben dies Haus gegründet … Denn wer immer den Tag des geringsten Anfangs verachtet hat, wird doch mit Freuden sehen den Schlussstein in Serubbabels Hand.“ Nicht durch Macht und Kraft, sondern durch den Geist des Herrn konnte Serubbabel „dies Haus gründen“ und den Schlussstein in den Händen halten. Genauso verlässlich wird einmal der Schlussstein zum Reich Gottes und zu unserem Leben, unserem kleinen Beitrag darin, gesetzt werden. Nur Mut, weil das Ende uns sicher ist. Daniel schließt daher sein Referat mit der Erinnerung an ein Bild aus Jesaja 40,31, das Aldo Berndt bereits bei der Heko 2005 verwendet hatte: „Aber die auf den Herrn harren, kriegen neue Kraft, dass sie auffahren mit Flügeln wie Adler ...“ Merken wir, wie der Aufwind Gottes weht und uns tragen will?

 

Christina Krause lebt seit kurzem in Hamburg und arbeitet in einer PR-Agentur.