Es scheint Teil unseres sterblichen Daseins zu sein, uns ständig mit (höchstens) zweitklassigen Sachen zufrieden zu geben. Vielleicht hat es mal wieder mit dem Zeitgeist zu tun. Jedenfalls entscheiden wir uns häufig im Alltag, in unseren Beziehungen, im Beruf, in der Familie, in unserer Zeiteinteilung, ja selbst beim Bibellesen für scheinbar praktische, aber offensichtliche Halbwahrheiten, um im Leben vorwärts zu kommen, ja um einfach zu überleben. Überleben bei dem schnellen Tempo, was uns die erfolgsbetonte Umgebung vorzugeben scheint. Überleben in einer Welt, die von uns immer wieder, immer schnellere, immer „bessere" Leistungen abverlangt. Vielleicht sind wir ja auch nur müde oder schwach geworden. Vielleicht ist unsere Liebe kalt geworden (Matthäus 24,12). Vielleicht haben wir doch nicht genug Zeit. Vielleicht haben wir es ja auch nie besser gelernt.
Mir ging es zeitweise mit ein paar Themen/Fragen aus der Bibel so. Mit hohem Einsatz und „geballtem UNwissen" (wie ein ehemaliger Kollege von mir zu sagen pflegte) machte ich ein paar Umwege um zentrale Wahrheiten der Bibel, weil mir diese Umwege praktischer oder effizienter erschienen. So verpasste ich wertvolle Schätze, die lebenswichtig waren. Seit kurzem versuche ich es anders, und komme kaum aus den AHA-Erlebnissen heraus. Wollen Sie ein Beispiel? Dann machen Sie Ihre Bibel auf und gehen Sie mit mir auf eine kleine Entdeckungsreise:
Haben Sie sich schon mal Gedanken gemacht, woran Gott wohl so seine Freude hat!?
Wenn wir die Bibel lesen, haben wir häufig eher die Ego-Brille auf: Was gibt mir die Bibel? Was brauche ich? Was macht mir Spaß? Wie gelingt mein Leben? Was tut mir gut? ... Und selbst wenn wir ganz fromm sind, dann fragen wir höchstens: Wie werde ich heiliger?
Aber was ist denn mit Gott selbst? Schließlich ist die Bibel ja auch ein Buch über Gott. Ja sogar ein Buch von Gott über Gott. Ich wage es, Ihnen etwas zu versprechen: Wenn Sie eine Zeit lang die Bibel mit dieser Brille lesen, werden sich manche komplizierte Fragen, die Sie immer wieder an die Bibel, an Gott stellten, in gelassenes und sicheres Vertrauen in einen souveränen und glücklichen Gott verwandeln.
Also, was macht denn Gott glücklich? Worüber freut sich Gott? Woran hat Gott Gefallen?
Im 1.Timotheus 1,11 lesen wir von dem "Evangelium der Herrlichkeit des seligen Gottes". Eine bessere, unserem Sprachgebrauch angepasstere Übersetzung wäre: „Evangelium der Herrlichkeit des glücklichen Gottes" (vom griechischen makarios, auch in 1.Timotheus 6,15). Das Evangelium wäre ohnehin keine „Gute Nachricht", wenn es nicht einen glücklichen Gott widerspiegeln würde, oder? Seien Sie mal ehrlich, wenn so eine Nachricht substantiell gut sein soll, und noch dazu eine Reaktion von einem müden Sünder wie mir und Ihnen abverlangt, dann kann sie nur einen in sich selbst glücklichen Gott als Botschaft beinhalten, und nicht eine weitere zusätzliche Last.
Gott hat große Freude daran, uns an der Freude, der einzig wahren und steten Freude, teilhaben zu lassen, die in ihm selbst ruht und ihren Ursprung in ihm hat. Die Gute Nachricht ist Gott selbst! Ein glücklicher Gott. Jesus lädt uns ein, eine Ewigkeit mit diesem glücklichen Gott zu verbringen, wenn er sagt „Trete ein in die Freude deines Herrn" (Matthäus 25,23). Jesus ist durch Leben und Tod gegangen, damit Gottes Freude in uns sei und unsere Freude vollkommen werde (Johannes 15, 11; Johannes 17, 13).
Mehr noch! Wenn wir wissen, woran Gott seine Freude hat und ihn dadurch näher kennen lernen, dann werden wir, langsam aber sicher, auch diese Eigenschaften in unserem Leben widerspiegeln und vielleicht sogar übernehmen. Wir Menschen neigen ohnehin dazu, andere zu imitieren, die wir bewundern. Wieviel mehr geht es uns so mit Gott? In der frommen Sprache heißt es dann: „Gott ähnlicher werden!"
Lassen Sie uns nun einige Stellen aus der Bibel aufzählen, die uns unmittelbar zeigen, worüber Gott so glücklich ist und was er selbst dazu sagt. So eine Liste hat auch mal vor Jahren der bekannte Prediger und Autor John Piper in Angriff genommen, als er über den folgenden Satz stolperte: „Die Herrlichkeit einer Person misst man am Objekt ihrer Leidenschaft!"... oder mit einfacheren Worten: „Sage mir, wen oder was du liebst, und ich sage dir, wer du bist!" Dieser Gedanke bezog sich zwar auf Menschen, aber er fing an zu überlegen, wie es wohl mit Gott sei. Was/wen/wie liebt Gott? Woran hat er Freude? Piper nahm sich dann seine Bibel und ging für mehrere Tage Vers für Vers alle Stellen durch, die mit Gott und Seiner Freude zu tun hatten. Diese Fragen halfen ihm, nicht nur sein selbstgemachtes Bild von Gott zu korrigieren, sondern hatten unmittelbaren Einfluss auf seinen praktischen Alltag.
Das alles können Sie auch selbst tun, mit einer Bibelkonkordanz zur Hand. Aber Vorsicht, manches kann Sie überraschen:
Wenn Sie nun die Bibel mit dem Fokus auf Gottes Freude lesen und Ihre lange ungelösten Fragen wieder neu stellen, werden Sie freudig feststellen, dass Sie tatsächlich einen frischen, erquickenden Zugang zur Bibel gefunden haben. Schauen Sie sich ruhig die Liste nochmals an, und untersuchen Sie selbst die Thesen, sowohl einzeln als auch zusammen. Ich hoffe, dass Sie dabei noch bessere Verse finden und die Liste ergänzen können (und mich bitte auch wissen lassen).
Übrigens, die Reihenfolge ist nicht willkürlich gewählt. Sie ist ein Versuch, dem biblischen Modell zu folgen. Es hat schon seinen Sinn, warum die 10 Gebote oder das Vater Unser, aber auch die obige Liste immer mit auf Gott fokussierten Sätzen beginnen, und sich erst in der zweiten Hälfte um die Gott-Mensch- oder Mensch-Mensch-Beziehungen kümmern. So soll also auch unser Fokus sein. Diese Vorgehensweise wird nicht nur Gottes Ehre gerecht, sondern schützt uns möglicherweise vor voreiligen, ego-zentrierten Schlussfolgerungen aus der Bibel.
Damit Sie es bei der eigenen Untersuchung der genannten Bibelstellen leichter haben, hier noch der Hinweis, dass je nach Bibelstelle und -übersetzungvon „Wohlgefallen" Gottes oder "Freude" Gottes, ja sogar „Lust" Gottes die Rede ist (unterschiedliche Schattierungen des hebräischen Wortes chêphets). Letztendlich geht es aber bei allen Stellen und Übersetzungen darum, was Gottes Herz erfreut.
Zum Abschluss können wir all das Gesagte unter einem uns geläufigeren Stichwort , „Gnade", zusammenfassen, da alle 10 Aussagen ihren Widerhall darin finden. Warum? Weil Gnade die Freude Gottes darstellt, seine Herrlichkeit zu erhellen, indem er uns gläubigen Sündern das Recht gibt, uns in ihm zu freuen, ohne seinen Ruhm zu trüben. Es ist pures Geschenk. Nichts kommt auf uns an. Zum Glück!
Es gibt natürlich viel mehr und deutlichere Stellen als die oben aufgeführten. Hier habe ich mich auf die auffälligen Beispiele konzentriert. Falls Sie gerade keine Bibel zur Hand haben, oder die genannten Stellen gemeinsam lesen wollen, finden Sie hier alle Verse einfachheitshalber zusammengestellt: (1) Und siehe, eine Stimme kommt aus den Himmeln, welche spricht: Dieser ist mein geliebter Sohn, an dem ich Wohlgefallen gefunden habe. Es gefiel der ganzen Fülle der Gottheit, in ihm zu wohnen ...Geliebt vor Grundlegung der Welt. |