So lautete das Thema der diesjährigen Jahrestagung des Arbeitszweiges „ChurchNet". Vom 31.3. bis 1.4. - von Samstag auf Sonntag - trafen sich 20 Teilnehmer aus verschiedenen Teilen Deutschlands, um einander zu sehen, Erfahrungen auszutauschen und sich gegenseitig in ihrem Beitrag in verschiedenen Gemeinden zu ermutigen. Gastredner war in diesem Jahr Ole-Magnus Olafsrud aus Norwegen. Er war 20 Jahre lang Leiter der norwegischen Navigatorenarbeit, ist Mitglied im europäischen Leitungsteam und betreut jetzt Einzelne, Ehepaare und lokale Gruppen, die nach ihrer Studentenzeit bei den Navigatoren meist aus beruflichen Gründen in teilweise sehr abgelegene Gegenden des Landes gezogen sind und dort versuchen, ihr Navigatorenerbe in ihrem Umfeld und ihrer Gemeinde weiterzuleben. Man spürt sehr stark, dass Gott ihn für diese Aufgabe - einzelnen Menschen Mut zu machen - besonders begabt hat. Uns Teilnehmer hat er u.a. durch die Andacht am Sonntagmorgen ermutigt, in der er unseren Blick auf Barnabas lenkte. Vier Stellen in der Apostelgeschichte mit ihren jeweiligen Kernaussagen bringen uns diesen Mann näher:
Barnabas begegnet uns zum ersten Mal in Apostelgeschichte 4,36. Die Apostel haben ihm, der früher Josef hieß, diesen Namen gegeben. Je nach Übersetzung bedeutet sein Name „Sohn des Trostes" oder „der Ermutigung". Das entsprechende griechische Verb parakaleo beinhaltet die Vorstellung, dass man sich an die Seite eines anderen stellt (para = neben, nahe, längs u.a.) und ihn auf seinem Weg begleitet (kaleo = anreden, einladen u.a.). Paraklet, so wird der Heilige Geist genannt, der Tröster, derjenige, der einen jeden von uns auf ganz besondere Weise ermutigen kann. Er spricht die Sprache unseres Herzens und kennt die Wellenlänge, auf der jeder einzelne von uns zu erreichen ist. Daneben braucht jeder von uns Menschen, die uns - so wie Barnabas es Paulus gegenüber getan hat - vermitteln: Hier bin ich. Ich bin an deiner Seite, du bist nicht alleine. Und um uns herum leben wiederum Menschen, Einzelne, die wie wir das Bedürfnis haben, wahrgenommen und ermutigt zu werden.
In Apostelgeschichte 9,26 begegnet Barnabas uns wieder. Saulus hatte im doppelten Sinn das Licht gesehen. Nach der Begegnung mit Jesus war er einige Tage blind, bevor er wieder sehen konnte. Als er einige Zeit später in Jerusalem eintrifft, begegnen ihm die Apostel verständlicherweise mit großer Skepsis und Angst. Sie sehen in ihm nach wie vor einen fanatischen Verfolger und trauen dem Gerücht von seinem angeblichen tiefen Wandel nicht. Barnabas hingegen wagt sich in Saulus' Nähe und spürt so, welche Veränderung Gott in ihm gewirkt hatte. Er erzählt den Aposteln davon, tritt für ihn ein und wird so für Saulus zur Brücke in die Gruppe der Jünger und Apostel hinein. Ähnlich können auch wir zu Brückenbauern werden für andere Menschen, so dass sie Zugang zu einer geistlichen Gruppe, in eine Gemeinde hinein finden. Wenn wir an ihre Seite treten und einen Blick dafür bekommen, was Gott in ihrem Leben tut.
Später kommt es aufgrund von Meinungsverschiedenheiten zwischen Paulus und Barnabas zur Trennung. In Apostelgeschichte 15,39 heißt es: „Sie kamen scharf aneinander, so dass sie sich trennten." In ihrer Auseinandersetzung geht es um Johannes Markus. Er hatte Paulus und Barnabas auf ihrer 1. Missionsreise begleitet und unterwegs verlassen. Deswegen möchte Paulus ihn diesmal nicht mitnehmen. Barnabas gibt ihm jedoch eine zweite Chance und nimmt ihn mit nach Zypern. Das hat zur Folge, dass sich Paulus und Barnabas - zwei Herzensfreunde - trennen.
Interessanterweise verlangt Paulus am Ende seines Lebens ausdrücklich nach Johannes Markus. Er lobt ihn und bittet Timotheus: „...bringe ihn mit dir, denn er ist mir nützlich zum Dienst" (2. Timotheus 4,11). Johannes Markus ist letztlich einer der wenigen, die bei Paulus bleiben, nachdem viele andere ihn verlassen haben.
Menschen werden uns enttäuschen; wir sollten aber wie Barnabas im Blick haben, was Gott langfristig in Menschen tun kann. Geben wir ihnen eine zweite Chance, glauben wir an sie! So gewinnt letztlich Gottes Gnade Gestalt. Er ist ein Gott, der nie aufgibt, sondern wieder und wieder und wieder aufbaut und pflanzt ... wie wir in Jeremia 31,4.5 nachlesen können. Investition in Einzelne ist kein Luxus, sondern genau das, was Gott tut.
In Apostelgeschichte 11 kommt die Kunde nach Jerusalem, dass Nichtjuden/Heiden u.a. in Antiochia zum Glauben gekommen sind. Die Apostel reagieren sehr unterschiedlich. Vielleicht war es von besonderer Bedeutung, dass nicht Petrus oder Jakobus dorthin geschickt wurden, sondern Barnabas. Von ihm heißt es in Vers 23: „Als dieser dort hingekommen war und die Gnade Gottes sah, wurde er froh ..." Sicher hätte er bei dieser neuen Entwicklung allen Grund gehabt, skeptisch zu sein, Fragen zu stellen oder zu versuchen, die Lage unter Kontrolle zu bekommen. Was dort geschehen war, stand in krassem Kontrast zu allem bisher Erlebten.Stattdessen freut er sich und ist offen für Neues, für das Wirken des Heiligen Geistes. Er bleibt nicht im traditionellen Denken gefangen. So wird die Gnade Gottes freigesetzt und er ermutigt sie, „mit festen Herzen an dem Herrn zu bleiben."
Ole-Magnus zitierte in diesem Zusammenhang einen Professor, der sich mit dem Thema Kreativität befasst, und der feststellte: „Das größte Hindernis für Kreativität ist Erfahrung." Aufgrund dieser Aussage vergleicht Ole-Magnus Erfahrung oder Tradition mit dem Kiel eines Segelbootes. In stürmischen Zeiten braucht das Boot einen Kiel, damit es den Wellen standhält. Wenn der Kiel jedoch zu schwer wird, zieht er das Boot nach unten, bis es schließlich sinkt. Deshalb sollten wir darum beten, dass wir das Wirken des Heiligen Geistes um uns herum entdecken. Im Gleichnis vom Wein und den Weinschläuchen gesprochen: Wir müssen darauf achten: Was ist Inhalt, was sind nur Ausdrucksformen, die sich durchaus ändern können? Machen wir uns bewusst, welche unglaublichen Dinge Gottes Gnade tun kann. Wenn wir uns in falscher Weise kontrolliert oder in Frage gestellt fühlen, sind wir entmutigt. Wie gut, dass Barnabas nicht eingeschritten ist und der Entwicklung Einhalt geboten hat.
Mit seinen Beiträgen ist es Ole-Magnus an diesem Wochenende gelungen, unseren Blick auf Einzelne in unserer Gemeinde und darüber hinaus zu lenken. Er hat uns neu ans Herz gelegt, einander in Zweierschaften zu ermutigen und voneinander zu lernen. Dazu gehören u.a.: die Gewissheit, dass wir einander brauchen, der Mut, sich zu öffnen und einander Anteil am Leben zu geben, das Lesen im Wortes Gottes und das gemeinsame Gebet. Viele von uns nahmen den Wunsch mit nach Hause, Ausschau nach Menschen zu halten, die sich danach sehnen und dazu bereit sind.
Else Paetzold lebt in der Nähe von Bonn, ist verheiratet mit Acke und hat drei Töchter. Sie arbeitet in der Navigatoren-Geschäftsstelle.