Die DNA der DNA

Eine Zusammenfassung des Festvortrags von Menno van Riesen

Biologie und Theologie: Wie nur gehen diese zwei Wissenschaftsformen zusammen? Auf den ersten Blick scheinen Terminologie und Thematik nicht kompatibel zu sein. Der Leiter des Bibellesebundes, Christian Brenner, schlug als Festredner zum Jubiläum der Navigatoren eine erstaunliche Brücke.

Irgendwas mit Generationen müsse darin vorkommen, im Referat zum runden Navigatoren-Geburtstag. So viel war Christian Brenner im Vorfeld klar. Als frisch gebackener Vater einer vierten Tochter musste ihm dieser Gedanke geradezu zwangsläufig im Kopf herum spuken. Und gemeinhin bedeutet eine fünfzigjährige Geschichte immer auch eine Geschichte mehrerer Generationen. Dennoch, erzählt er eingangs seines Vortrages, habe er lange gebraucht, bis er eine vielschichtige und im Ganzen erklärliche Verbindung zwischen dem fand, was er selbst studiert hatte, und was er zu einer inhaltlichen Symbiose seines Referates führen wollte: eben die Lehren der Biologie und Theologie. Hat doch beides im weiteren Sinn mit der Weitergabe von Informationen und Erbfolgen zu tun. 

Zunächst einmal gehe es, genau wie in der Bibel, auch bei den Navigatoren vorrangig um Nachkommenschaft. Christian Brenner verweist sowohl auf den bereits in 1. Mose 5 aufgeführten Stammbaum von Adam bis Noah als auch auf jenen von Abraham bis Jesus gleich zu Beginn des Matthäus-Evangeliums. Daneben finde sich der Begriff Generationen in der Biologie. Er zitiert aus einem Grundlagenbuch zur allgemeinen Botanik: „Lebewesen entstehen stets aus ihresgleichen und die Nachkommen besitzen Merkmale ihrer Eltern." Was läge also näher an einem Tag, an dem es um geistliche Großeltern, Eltern und Kinder geht, als sich mit dem zu beschäftigen, was sie verbindet: ihre Gene, genauer ihre DNA (DesoxyriboNucleinAcid), als Träger der genetischen Information.

Christian Brenner zeigt anhand eines Schaubildes die Inneneinrichtung eines Zellkerns, dem Hauptsitz aller Informationen - das Erbgut. Ein aufspiralisierter DNA-Strang ist zu sehen, einer Strickleiter stark ähnelnd. Wasserstoffbindungen halten jeweils zwei Basen zusammen, erklärt er. Kühn weist er postwendend einigen Basenpaarungen Na­men zu, die für je zwei Navigatoren-Generationen stehen: Dawson (Trotman) und Les (Spencer) sowie Kelley (McCutchen) und Christina (Cron). Und deckt noch eine überraschende Gemeinsamkeit zwischen Biologie und The­o­logie auf: Das Kürzel DNA. DNA wie „Deutsche NavigatorenArbeit". Ganz einfach. 

Profund streift Christian Brenner im Weiteren die wesentlichen Gesetzmäßigkeiten der Vererbungslehre von Johann Gregor Mendel, dem „Vater der Genetik". Dem stünde der Vater der Navigatorenarbeit, Dawson Trotman gegenüber. Gleichsam „von Gott durchdrungen" habe dieser seine christlichen Erfahrungen immer Menschen, vor allem jungen, weitergeben wollen. Wobei sein „Erfolgsrezept" hauptsächlich auf zwei Prinzipien ruhte: Dem Auswendiglernen von Bibelversen und verheißungsorientiertem Gebet. Menschen nicht nur zu Jesus hinzuführen sei die Aufgabe, sondern vor allem sie festzumachen in Jesus, ja mehr noch: sie zu geistlicher Verantwortung zu motivieren. „You teach him!" Mit diesen Worten hat Trotman seinem ersten „Zweierschaftspartner" Les Spencer aufgetragen, andere so anzuleiten, wie er es selbst gelernt hatte. Ganz der Botschaft aus 2. Timotheus 2,2 gemäß.

Gleich den biologischen Vererbungs­mechanismen stelle die Navigatoren-Arbeit eine kontinuierliche, dynamische Fortpflanzungsgeschichte dar, die sich seit dem Jahr 2002 mit folgender Formel (dem sogenannten internationalen Calling) beschreibt: „To advance the Gospel of Jesus and His Kingdom into the nations through spiritual generations of laborers living and discipling among the lost." (Zu deutsch etwa: „Das Evangelium von Jesus Christus und seinem Reich in die Nationen hineintragen durch geistliche Generationen von Mit­arbeitern, die unter den Verlorenen leben und Menschen in diesem Umfeld in die Nachfolge Jesu führen und darin begleiten.") Eben dieses Anliegen bedeute die eigentliche Navigatoren-DNA, welche es unbedingt am Leben zu halten gelte. 

Und dann überfällt Christian Brenner doch unweigerlich ein Quäntchen Weh­mut, als er sich an seine eigene Stu­dentenzeit in Bonn zurückerinnert, wo er von der tiefgreifenden Erkenntnis gepackt worden sei, dass er das Ge­schenk des christlichen Glaubens nicht für sich zu behalten, sondern an andere weiterzugeben habe. Gepaart mit einer großen Sehnsucht, Gott am Werk zu sehen. Bis heute. Mithin dankt er für die einmalige Gelegenheit dieses aktuellen Festtages, seine „geistlichen Großeltern" endlich einmal kennen lernen zu dürfen, bevor er nachhaltig an alle „Geburtstags"-Gäste appelliert: „Lassen Sie das, was Sie von den Navis bekommen haben, weiterwirken!" Und fügt ein letztes persönliches, visionäres Postscriptum an: „Zum 75. der Navis würde ich mich freuen, wenn meine Kinder alle da wären!"