„Was machst Du am Wochenende?“ „Ich fahre nach Mücke.“ „Wohin? Mücke, wie die Biene?“ „Ja, das liegt bei Gießen.“ Wenn ich so antworte, vergessen die meisten zu fragen, was ich denn nun wirklich am Wochenende mache. Denn so richtig erklären kann und will ich das teilweise nicht: Ich fahre gemeinsam mit circa 45 Leuten aus der Navigatorenarbeit zur Netzwerkfreizeit nach Mücke. Zwei Themen wollen wir uns da widmen: „Wie kräftig/geschmackvoll sind wir noch als Salz?“ und „Zurück zur ersten Liebe?!“
Gespannt tauchen wir mit Ramin Djamschidi und Horst Günzel, beide Mitarbeiter in der Berufstätigenarbeit der Navigatoren, in das Thema von Tag 1 ein: Es geht um das Gleichnis vom Säman in Matthäus 13,22: „Bei dem aber unter die Dornen gesät ist, das ist, der das Wort hört und die Sorge der Welt und der betrügerische Reichtum ersticken das Wort und er bringt keine Frucht.“ Sorgen, Ängste und Ablenkung sind Realitäten, damals wie heute. Und es gilt, sie zwar wahrzunehmen, nicht aber, sich von ihnen dirigieren zu lassen.
Matthäus 6,33 kann da eine Hilfe sein: „Trachtet zuerst nach dem Reich Gottes (…) so wird euch das alles zu fallen.“ Dennoch bleibt die Frage: Wie kann ich mit all dem, was mich behindert, ein Leben als Christ leben? Das zudem noch salzig genug ist, um andere auf den Geschmack zu bringen? In der Zeit, die wir anschließend allein verbringen, setze ich mich mit den Fragen auseinander, die Ramin uns mit auf den Weg gibt. Übergeordnet steht die Frage: „Wie beurteile ich mein eigenes (geistliches) Leben?“ Daraus leiten sich weitere Frageblöcke
ab, die helfen, auf die richtige Spur zu kommen. Diese Fragen finden sich in Auszügen am Ende des Artikels.
Am nächsten Tag geht es nun um die erste Liebe. Hintergrund sind folgende Verse aus Offenbarung 2,3-4: „Und hast Geduld und hast um meines Namens willen die Last getragen und bist nicht müde geworden. Aber ich habe gegen dich, dass du die erste Liebe verlässt.“ Auch die Neigung zu Vernachlässigung sieht die Bibel scheinbar als Realität, als gegeben. Horst Günzel formuliert es so: Was ich Jesus geben kann, ist immer jämmerlich und stümperhaft. Aber gerade da, wo ich Versagen erlebe, redet Gott. Unsere Aufgabe ist es, mit unserer Halbheit und Unvollkommenheit umzugehen, damit, dass wir der ersten Liebe eben nicht unsere ungeteilte Aufmerksamkeit schenken. Aber: Vermehrung geschieht immer mit dem, was ich schon habe, und sei es noch so wenig. Auch hier setzen wir uns mit Fragen auseinander, die mich teilweise überraschen: Was habe ich davon, Gott zu lieben? Warum bin ich noch dabei? Was führt zur Sehnsucht nach Gott? Welche Liebe bewegt mich?
„Drama, Drama, Baby!“, würde Bruce Darnell aus der Sendung Germany’s Next Topmodel mir zu rufen. Denn die Beantwortung all dieser Fragen lässt den Schluss zu, dass ich eine geistliche Rosine bin. Ausgetrocknet, unscheinbar und vergleichsweise fad. Das ist
bitter. Aber eigentlich auch keine Überraschung, wenn ich es mir so recht überlege. Schon seit einiger Zeit hadere ich mit mir oder mit Gott, warum mein Glaubensleben eigent-
lich so dröge ist. Aber anders als die Rosine kann ich wieder zu einer Frucht werden, die gefüllt ist mit Saft und Leben. Die Freizeit fühlt sich an wie der Weg zum Weinstock, an dem
ich wieder auftanken kann.