Mitmensch, Mentor, Missionar – Gottes Skript hat viele Rollen

Etwa viermal im Jahr flattert allen hauptamtlichen Mitarbeitern der Navigatoren ein Brief ihres internationalen Leiters, Mike Treneer, ins Haus. Darin nimmt er Stellung zu aktuellen Fragen und berichtet von den Entwicklungen weltweit. Im Oktober 2008 ging es um Begriff und Rolle des „Insiders“. bzw druckt diesen Brief in Auszügen.


In den Navigatorenarbeiten in vielen Ländern sprechen wir von „Insidern“. Aber wir meinen damit nicht alle dasselbe, und deshalb kann es zu Missverständnissen kommen.


Für mich ist der Begriff des „Insiders“ sehr hilfreich, wenn ich darüber nachdenke, wie ich in meinen natürlichen Beziehungen Menschen mit dem Evangelium erreichen kann. Einer unsrer Grundwerte spricht ja von der Bedeutung von Familien und Beziehungsnetzwerken. Ein Insider lebt in solchen Beziehungen, und so kann sich das Evangelium auf sehr natürliche und wirkungsvolle Weise ausbreiten.


Unser internationales Leitbild beschreibt es so: „Ganz gewöhnliche Menschen in

allen möglichen Berufen führen mit Freude ein integriertes, fruchtbares Leben

als ‚Insider‘ in einer verlorenen Welt. Sie haben Ausdauer angesichts schwieriger Umstände und leidvoller Erfahrungen. An allen möglichen Orten kommen Menschen in großer Zahl zum Glauben. In diesem Glauben werden sie fest und gegründet und wachsen in der Nachfolge, und manche werden zum Ausgangspunkt kommender Generationen. Das Evangelium breitet sich inmitten ihrer natürlichen Lebensumstände kraftvoll aus … ein Leben teilt sich dem anderen mit … eine Familie steckt die andere an.“


Epaphras, der als erster das Evangelium in seine Heimatstadt Kolossä brachte,

ist ein eindrucksvolles Beispiel für einen Insider. Er war Paulus fern von zu Hause begegnet und zum Glauben gekommen, wahrscheinlich in Ephesus (Apostelgeschichte 19,8–10). Paulus erinnert die Kolosser später daran. Er spricht vom Evangelium, „das zu euch gekommen ist, wie es auch in aller Welt Frucht bringt und auch bei euch wächst von dem Tag an, da ihr’s gehört und die Gnade Gottes erkannt habt in der Wahrheit. So habt ihr’s gelernt von Epaphras“ (Kolosser 1,6– 7). Etwas später in seinem Brief beschreibt Paulus diesen fruchtbaren Insider so: „Es grüßt euch Epaphras, der einer von den Euren ist, ein Knecht Christi Jesu, der allezeit in seinen Gebeten für euch ringt, damit ihr feststeht, vollkommen und erfüllt mit allem, was Gottes Wille ist“ (Kolosser 4,12). Wenn ich das lese, wünsche ich jedem Menschen auf der Welt einen Freund oder einen Familienangehörigen wie Epaphras.


In ihrem Buch Der Insider charaktersieren Jim Petersen und Mike Shamy die Haltung eines Insiders, dessen Einfluss in seinem Umfeld spürbar ist. Er oder sie


startet kleine Initiativen


betet für andere und geht auf sie ein


dient ihnen


kann beschreiben, was Glaube ist und wo er im eigenen Leben

einen Unterschied macht


tut dies alles gemeinsam mit anderen, ist also kein Einzelkämpfer


lässt die Bibel sprechen


leistet „Geburtshilfe“, wenn Menschen zum Glauben kommen


Eine Arbeit, die den Insider in den Mittelpunkt stellt, fördert Gläubige darin, in

ihrem persönlichen Umfeld involviert zu sein, dort Gehör zu finden, authentisch

zu leben, mutig zu sein und aktiv Kontakt zu suchen.


Der Begriff des Insiders überlappt sich mit dem des „Arbeiters in der Ernte“ von Matthäus 9,36–38, aber beides ist nicht dasselbe. In dieser Bibelstelle geht es um Men­schen, die den Müden und Erschöpf­ten nachgehen, den Schafen ohne Hirten, wie es ja auch ein Insider tut. Die ersten Arbei­ter in diesem Sinn waren damals allerdings solche, die – wie Matthäus 10 dann deutlich macht – hinausgeschickt wurden, um das Evangelium jenseits ihres natürlichen Netzwerks von Freunden und Familienangehörigen zu verbreiten; und genau das tut auch heute noch eine große Zahl von Mitarbeitern. Für viele „Arbeiter in der Ernte“ bleibt aber ihr Hauptarbeitsfeld ihre Familie und ihr Freundeskreis, also das Umfeld, in dem sie Insider sind. Es ist unser Anliegen, alles zu tun, was in unserer Macht steht, damit es Tausende und Abertausende von solchen „Insider-Erntearbeitern“ rund um den Globus

gibt. In unserem Leitbild ist das so ausgedrückt: „Mitarbeiter des Reiches Gottes sind überall ‚nebenan‘!“


Als solche, die beruflich bei den Navigatoren tätig sind, sind wir Insider mit

Blick auf unsere Familien und Freunde. Gleichzeitig sind wir aber auch aufgerufen, darüber hinaus bestimmte Aufgaben wahrzunehmen: als Begleiter (Coaches/ Mentoren) für andere, als Pioniere, als „Outsider“, d. h. außerhalb unseres natürlichen Umfeldes. Die Vision, unsere Gesellschaften durch Insider zu erreichen, bedeutet eine Ergänzung und Vervollständigung unseres Ansatzes. Sie bedeutet aber nicht, dass es nun weniger wichtig sei, unter Studenten oder Soldaten zu arbeiten [Anm. d. Üb.: Auf vielen US-Militärbasen weltweit gibt es Navigatorenarbeiten], in Gemeinden und Gemein­schaften tätig zu sein oder in Ländern

und Kulturen, in denen wir fremd sind und gerade keine Insider.


Weil wir in unserer Arbeit so viel Wert auf geistliche Generationen legen, möchten wir das Evangelium maßgeschneidert in die verschiedensten Kontexte überall in der Welt einpflanzen, damit es innerhalb derselben zu einer geistlichen Kettenbewegung kommt. Dazu brauchen wir alle: Pioniere, Insider und begleitende Unterstützer. Unser Maßstab dabei ist nicht das, was irgendwo anders schon mal fruchtbar war (auch wenn wir natürlich davon lernen können). Unser Maßstab ist immer wieder neu Gottes Wort, und un-

sere Leitung kommt von Gottes Geist.


Das Buch Der Insider von Jim Petersen und Mike Shamy ist zum Preis von 8,50 Euro erhältlich (Bestelladresse siehe Impressum).