Harren und Handeln – Vom Achthaben auf die Zeiten Gottes

Susanna Neef

Unter diesem Motto stand die diesjährige ChurchNet-Tagung. Sie versammelt alljährlich im Frühjahr bisher noch eine relativ kleine Schar von Leuten, die sich mit ihrer navigatorischen Prägung besonders an ihrem Platz in ihrer Gemeinde herausgefordert fühlen. Man kommt stets erst am Samstagmittag zusammen, und so eine Anreise am Vormittag entspannt von vornherein spürbar. Nach dem gemeinsamen Start mit einem Mittagessen wird jedem sehr viel Zeit gegeben. So steht der ganze Nachmittag zur freien Verfügung jedes Einzelnen: zum Beispiel für einen erholsamen Mittagsschlaf nach der Arbeitswoche, für die Auseinander-

setzung mit einigen Bibeltexten zum Thema und/ oder für einen Gebets­spaziergang allein oder vielleicht auch zu zweit (eine Kaffeepause zwischendrin bietet Gelegenheit, sich mit anderen zu verabreden).


In diesem Jahr also galt es, sich an Gottes Zeitempfinden heranzutasten und sich mit dem Spannungsfeld zwischen gehorsamen Glaubensschritten und vertrauendem Abwarten als Nachfolger Jesu auseinander zu setzen.


Im Kasten unten links zunächst ein paar Einblicke in die angeleiteten Textbetrachtungen an besagtem Samstagnachmittag.


Auf dem Handout mit solchen und weiteren Fragen und Impulsen stand am Schluss folgendes Fazit: Göttliches Handeln, sein Geschenk, und unser gehorsamer Beitrag, unsere Disziplin im Umgang damit, liegen ineinander. Wir brauchen seine wunderbare Zeitvermehrung – dafür wollen wir beten und darauf wollen wir harren. Und er braucht unsere Ordnung im Verteilen – daran wollen wir arbeiten, dem gemäß handeln. 


Noch tiefer in dieses Spannungsfeld hinein begab sich dann am Samstagabend unser Referent Wilfried Führer (Aachen). Er betrachtete dieses Wechselspiel zwischen Harren und Handeln als einen integralen Bestandteil der Nachfolge Jesu und verdeutlichte dies eindrücklich am Bild eines Weges. Es ging ihm nicht um Anfang oder Ziel dieses Weges, sondern um den Weg selber – genauer: um die Breite des Weges ebenso wie um seine beiden Begrenzungen links und rechts. Für manche ähneln sie zwei Straßengräben, für andere sind sie vielleicht eher zwei Leitplanken. Die unten abgebildete Tabelle des Referenten hielt uns die „guten“ Formen des Harrens und Handelns vor Augen – die Formen, die sozusagen auf dem Wege sind. Und an den Wegrändern verschaffte diese Skizze Klarheit darüber, wo unser Weg der Nachfolge Jesu abschüssig wird und wo wir also leicht fehlgehen können. Die einge-

zeichneten Grenzlinien markieren wichtige Leitplanken. Wilfried Führer kennzeichnete damit den Zustand, der sich jeweils einstellt, wenn wir die fruchtbare Mittellinie im Spannungsfeld zwischen Handeln und Harren verlassen. Am deutlichsten wurde dies in der Schluss­zeile: Handeln ohne vertrauenden Glau­ben wird zu Unglauben, mutloszögerliches Harren zu Ungehorsam. Doch im Hinblick auf unser Achthaben auf unsere Schritte betonte Wilfried, dass sich die Leitung unserer Nachfolge von innen heraus durch den Heiligen Geist vollzieht. Psalm 32,8 und Jesaja 48,17+18 zeigen: Es ist nicht so, dass Gott uns stumm ins Abseits geraten lässt – er hat schon immer geredet und er redet weiter! Es geht also u. a. um unsere Zerstreutheit (Prioritä­ten!) und um unsere Fähigkeit hinzuhören und um unsere Vergesslichkeit gegenüber dem, was Gott (in unserem Leben) schon getan hat. Jesaja 50,4+5 zeugt davon, dass Gott selbst sehr viel für unseren Glaubensgehorsam tut. Es lohnt sich, Acht

darauf zu haben, nah an Gott dran zu sein. Denn: „Wo ich bin, da soll mein Diener auch sein.“ (Johannes 12,26).


Vor dem Abschied nach dem Mittagessen am Sonntag blieb noch ein ganzer Vormittag, um verschiedene Aspekte des Achthabens auf die Zeiten Gottes zu vertiefen und auf unsere Lebensfragen anzuwenden. Drei Workshops standen hierzu zur Auswahl: „Vom Harren und Handeln in unserem eigenen Leben“, „Vom Harren und Handeln im Leben anderer“ und „Vom Harren und Handeln in der Gemeinde“.


Obwohl beim ChurchNet-Treffen mit seinem angenehmen Wechselspiel aus Entspannung und Fokussierung gar nicht immer wirklich nur Gemeindethemen im Vordergrund stehen, sondern auch viel allgemeinchristlicher Input gegeben wird, fühlte ich mich bisher immer wirklich neu ausgerüstet für meine Platzanweisung Gottes im Gemeindeumfeld. Die nächste ChurchNet-Jahrestagung findet übrigens am 17./18. April 2010 im Haus Patmos

bei Siegen statt!


Susanna Neef (als Psychologin in der Familienberatung tätig) lebt mit ihrem Mann Matthias in Mülheim/Ruhr. Im Juli erwarten sie ihr erstes Baby.