Ein Referat in Auszügen, gehalten von Günter Kretz auf der diesjährigen Pfingstfreizeit.
Bearbeitet von Menno van Riesen
Er liebt mich, er liebt mich nicht, er liebt mich, er liebt mich nicht, …
Sicher kennen Sie dieses Spiel: Und wenn das Gänseblümchenblatt nicht unsere Erwartung erfüllt hat, haben wir einfach das nächste gepflückt, und es ging von vorne los. Als Christen spielen wir Erwachsene oft ein ähnliches Spiel mit Gott:
Ich habe einen neuen Kunden gewinnen können! > ER liebt mich!
Heute war eine Abmahnung fällig! > ER liebt mich nicht!
Ein Freund hat mich unerwartet angerufen! > ER liebt mich!
Als meine Frau und ich Anfang der 1980er Jahre kurz vor unserer Hochzeit standen, waren wir blank und ahnungslos, wo das Geld für unsere Wohnungseinrichtung herkommen sollte. Ich machte eine Übersicht, was wir so brauchten und kam auf ca. 10.000 DM. Im Team haben wir dann ganz naiv dafür gebetet, und ein paar Tage später lag tatsächlich ein Scheck in meinem Briefkasten, über 10.000 DM. Ein Hochzeitsgeschenk! ER liebt mich!
Ein paar Monate später war mein Gehalts-Spendenkonto so im Defizit, dass ich einen Anruf vom Navi-Büro bekam, wie ich mir meine Zukunft vorstellen würde. ER liebt mich nicht!
Bei einem Top-Ereignis im Leben sind unsere Gefühle in der Regel oben, bei einem Flop schnell unten …
Unsere Sehnsucht nach Erfüllung
Unser innerer „drive“, unsere Lebensenergie, ist stets darauf ausgerichtet, in erster Linie die Tops anzustreben. Die Täler unseres Lebens versuchen wir zu meiden wie die Pest. In den westlichen Gesellschaften bauen ganze Industriezweige mit ihren „Rundum-ohne-Sorgen“-Paketen (Versicherungen, Kapitalanlagen etc.) auf dieser Umgehungs-Motivation auf.
Auch vom Christsein erwarten einige von uns, dass es stetig aufwärts zu gehen habe. Haben Sie die Lebenskurve des Paulus einmal angeschaut? In seinem letzten Brief, dem 2. Timotheusbrief, schreibt er an seinen treuesten Jünger: „Mich haben alle verlassen, die in der Provinz Asien sind (1,15) … Demas hat mich verlassen und diese Welt liebgewonnen, ist nach Thessalonich gezogen, Kreszens nach Galatien, Titus nach Dalmatien, Lukas ist allein bei mir…“ (4,10-11) und … „bei meinem ersten Verhör stand mir niemand bei, sondern
sie verließen mich alle!“ (4,16) Und dann überrascht uns Paulus im Brief an die Philipper mit den Worten: „Freut euch in dem Herrn allewege, und abermals sage ich euch: Freuet euch!“ (Phil 4,4).
Was ist das Geheimnis des Paulus? Auch wir wollen ein Leben voller Freude führen, aber bitteschön, ohne Flops! Ich denke, dass wir dabei ständig bemüht sind, unsere Identität im Großen und Ganzen über drei Bereiche zu beziehen, auch wenn wir diese als Christen gern
mit geistlichen Inhalten füllen: Was wir haben (Besitz, Beziehungen …) Was wir tun (Verhalten, Möglichkeiten …)
Was andere über uns denken (Ansehen, Image …)
Doch gerade dann, wenn wir das, was uns scheinbar viel bedeutet, um jeden Preis verteidigen wollen, führt uns Gott manchmal in Täler, damit unsere Einstellung ins Licht unseres Bewusstseins vordringt und er daran arbeiten kann. Als Christen haben wir keinen Vertrag unterschrieben, der eine stetige Erfolgskurve verspricht.
Unser Versicherungsvertrag mit Gott
1. Das Wort Gottes: Als Jesus in der Wüste war und er vom Teufel auf seine unmittelbaren Bedürfnisse angesprochen wurde, antwortete er nicht: „Der Mensch lebt davon, dass er sich darum kümmert, dass die Ausrichtung seiner Lebenskurve beständig nach oben geht!“ Sondern: „Der Mensch lebt nicht vom Brot allein, sondern von einem jeglichen Worte, das aus dem Munde Gottes hervorgeht.“ (Mt 4,4)
Was für eine Rolle spielt Gott in meiner Mangelsituation? Jesus verweist uns auf das Wort, dem Gottes Geist innewohnt. Beim Propheten Jeremia heißt es: „Ist mein Wort nicht wie ein Feuer und wie ein Hammer, der Felsen zerschmeißt?“ (Jer 23,29) Glauben wir das wirklich?
Vor einiger Zeit sagte jemand zu mir: „Meinst du wirklich, Günter, dass diese Leute hier dich noch ernst nehmen?“ Wie ein Messer drangen diese Worte in meine Seele. Irgendwie mochte diese Person ja recht haben, die Leute sind mit so vielen anderen Dingen beschäftigt und drehen sich um ihre eigenen Sorgen. Am besten, dachte ich, höre ich auf und lass es sein. Doch dann leuchtete plötzlich das Wort, das ich am Morgen gelesen hatte, ganz stark in meinem Inneren auf: „Fürchte dich nicht, denn ich habe dich erlöst; ich habe dich bei
deinem Namen gerufen; du bist mein! Wenn du durch Wasser gehst, will ich bei dir sein, ... und wenn du ins Feuer gehst, sollst du nicht brennen, ... weil du in meinen Augen so wert geachtet und auch herrlich bist und weil ich dich lieb habe.“ (Jes 43,1-3+4a)
Da sagte ich zu meinem Gesprächspartner: „Okay, mag sein, dass diese Leute mich nicht ernst nehmen, aber heute morgen hatte ich ein Interview mit jemandem, der mich ernst nimmt.“ „Ein Interview?“ „Ja, und ER sagte zu mir: ,Günter, fürchte dich nicht, ich habe dich erlöst, ich habe dich bei deinem Namen gerufen…‘ “
(Jes 43,1-4a)
Anstatt meine Lebensqualitätskurve mittels irgendwelcher „Wellness-Manipulationen“ nach oben schrauben zu wollen, muss ich lernen, meine Identität mit den Augen Gottes zu sehen. Dabei helfen mir auswendig gelernte Worte Gottes.
2. Blickwechsel: Überall in der Bibel werden wir ermutigt und ermahnt, unseren Blick nicht auf die Umstände zu richten, sondern auf den, der hinter diesen Umständen agiert und im tiefsten Sinne für uns ist.
Psalm 23,4: „Und ob ich schon wanderte im finstren Tal, fürchte ich kein Unglück, denn du bist bei mir, dein Stecken und Stab trösten mich.“ Römer 8,31: „Ist Gott für uns, wer mag wider uns sein? Der auch seinen eigenen Sohn nicht verschont hat, sondern hat ihn für uns alle dahingegeben – wie sollte er uns mit ihn nicht alles schenken?"
Gerade indem wir durch die Höhen und Tiefen unseres Lebens wandern, gewinnt eines immer mehr an Gestalt und wird
immer tragfähiger, dichter und gibt uns neuen „drive“: Die Liebesgemeinschaft mit Gott! Wenn du deine Tiefen und Höhen mit Gott selbst durchlebst, wirst du sein Versprechen lebendig erfahren: „Ich bin und bleibe bei dir alle Tage – und du wirst mich immer mehr und mehr erfahren, durch die Höhen und Tiefen des Lebens hinweg!“ Das schützt gleichzeitig vor den ständigen Versuchungen des Widersachers.
3. Ewigkeitsperspektive: Neulich habe ich die Geschichte von einem Rollstuhlfahrer gelesen, der von der Halswirbelsäule abwärts gelähmt war. Auf die Frage, ob er seines Schicksals wegen nicht sauer auf Gott sei, antwortete er: „Ich bin Gott nicht böse. Ich glaube von Herzen, dass ER gerecht ist, wie ER es sagt. ER hat eine
ganze Ewigkeit Zeit, mich dafür zu entschädigen.“ Aus solch einer Ewigkeitsperspektive heraus verschieben und relativieren sich unsere Lebens-Prioritäten.
Die Bibel verkündet am Anfang die Botschaft: „Es war sehr gut.“ Und am Ende: „Es ist sehr gut.“ Dazwischen: Ein einziges Auf und Ab, Höhen und Tiefen, Blut, Schmerz und Tränen. Aber ER wird mit uns ankommen, durch Höhen und Tiefen hindurch: Hin zu diesen letzten Seiten der Schrift, wo ER sagt: „Siehe, ich mache alles neu!“
Günter Kretz lebt mit seiner Frau Mechthild in Karlsruhe, hat eine erwachsene Tochter und ist
hauptamtlich im Arbeitszweig Beruf & Familie tätig