„Erwartungsvoller Glaube und ausdauerndes Gebet, gegründet auf den Verheißungen Gottes“ – um den fünften Grundwert der internationalen Navigatorenarbeit drehte sich die HeKo 2009. Mit den Referenten Martina Dammeyer, Reinhard Conradt und Wolf Christian Jaeschke ergründeten wir, was es heißt, an Verheißungen zu glauben und im ausdauernden Gebet auf sie zu harren.
Erwartungsvoller Glaube …
In ihrem Referat zu erwartungsvollem Glauben nahm Martina Dammeyer uns mit in die Welt Abrahams: Er lebt in einer Zeit, in der Fruchtbarkeit und Reichtum bestimmende Faktoren sind. Abraham kennt Gott nicht, sein Volk betet andere Götter an. Aber als Gott zu ihm spricht, tut er, was Gott von ihm verlangt, und vertraut auf ihn und seine Verheißung: Abraham verlässt sein Vaterland und seine Familie und erwartet, dass Gott ihm seinen Platz
weisen und zahlreiche Nachkommen schenken wird (1. Mose 12,1-3). Trotz
dieser Weissagung ist Abrahams Glaube kein stetiges Bergauf und auch nicht über Zweifel erhaben. Denn Abrahams Realität sieht anders aus. Es ist unwahrscheinlich, dass er und seine Frau Sara noch Kinder haben werden. In den langen Jahren des Wartens stellt Abraham diese Verheißung immer wieder in Frage und doch hält er daran fest. Nach langem Warten und viel Ungewissheit erfüllt sich die Verheißung: Abraham hat einen Sohn zusammen mit Sara. Und er wird zahlreiche Nachkommen haben, wie Gott es ihm voraus gesagt hat. Abraham selbst wird das allerdings nicht mehr erleben. Dennoch erfüllt sich diese Verheißung. Wir dürfen also auch heute erwarten, dass Gottes Verheißungen sich erfüllen, auch wenn wir selbst keine Anzeichen dafür sehen.
Martina schilderte an einem Beispiel, wie sie genau das persönlich erfahren hat: Sie studierte in Münster Musik und Biologie auf Lehramt, merkte aber, dass das nicht ihr Weg sein sollte. Martina dachte über Alternativen nach und stieß auf die Logopädie. Nach einer entmutigenden Berufsberatung nahm sie ziemlich verzweifelt ihre Bibel und schlug irgendeine Seite auf, um zu sehen, ob Gott ihr durch sein Wort den Weg weisen würde, wohl wissend, „dass man das so nicht macht“. So stieß sie auch zunächst auf einen Vers, der mit ihrer Situation rein gar nichts zu tun hatte. Als sie weiter las, stolperte sie über folgenden Vers: „Und die Unvorsichtigen werden Klugheit lernen, und die Zunge der Stammelnden
wird fließend und klar reden“ (Jesaja 32,4). Vielleicht doch eine Bestätigung
ihres Wunsches, Logopädin zu werden? Martina bewarb sich daraufhin, doch statt Zusagen hagelte es Absagen. Lange Zeit sah sie kein Anzeichen dafür, dass ihr
gewählter Weg, der Abbruch des Studiums, der richtige war. Zwei Wochen nachdem auch die letzte mögliche Schule abgesagt hatte, gab es einen Hoffnungsschimmer: An der Uniklinik Mainz fragte man Martina, ob es die Logopädie sein müsse, denn in der Audiologie könne man ihr einen Ausbildungsplatz anbieten. Sie nahm das Alternativangebot an, und
es zeigte sich, dass der Beruf genau dem entsprach, was Martina sich wünschte:
Ein helfender Beruf, in dem sie mit Menschen und im Besonderen mit Kindern
zusammenarbeiten konnte. Rückblickend sagt Martina: „Es hat sich erfüllt, nur
anders. Aber der Vers aus Jesaja gab mir Mut, diesen Schritt zu wagen.“
… und ausdauerndes Gebet, …
Reinhard Conradt übernahm den zweiten Aspekt des fünften Grundwerts: Aus-
dauerndes Gebet. Manche von uns haben das Gebet erst durch die Begegnung mit Jesus kennengelernt. Andere erinnern sich vielleicht noch an ihre Kindergebete zum lieben Gott. Doch unabhängig davon, wie unsere Vorgeschichte aussieht: In der persönlichen Begegnung mit Jesus mündet unser Beten zum ersten Mal in ein Gebet der Einwilligung, der Hingabe, des Sich-Loslassens. Dieses „Ja-Vater“-Gebet ist vielleicht das Herzstück des Betens überhaupt.
Wenn wir in die Nachfolge Jesu treten, fangen wir an, vertrauensvoll, zuversichtlich und vehement unsere Anliegen vor Gott zu bringen. Und sagt Jesus nicht selbst (Matthäus 21,22): „Und alles, was ihr bittet im Gebet, wenn ihr glaubt, so werdet ihr’s empfangen“? Dann steht die Frage im Vordergrund: Was bewirkt unser Gebet? Was macht unser Gebet mit Gott? Und oft verstehen wir nicht, dass wir einerseits beten sollen, andererseits aber unser Vater im Himmel weiß, was wir brauchen, bevor wir ihn bitten.
Die viel spannendere Frage – und das lernen wir erst mit der Zeit – lautet:
Was macht das Gebet mit uns? Das Gebet hilft uns, mitten in den eigenen Wünschen und Sehnsüchten, die zum einen unserem Egoismus entstammen, zum anderen aber vom Heiligen Geist angeregt sind, Gottes Plan, Weg und Willen zu entdecken. Das Vor-Gott-Treten schafft Klarheit, auch durch Gottes Wort, das uns in solchen Zeiten in den Sinn kommt. „Bittet ... sucht ... klopft an“ – diese Sequenz aus der Bergpredigt beschreibt sehr gut, was da geschieht. Manchmal führt uns Gott an ein Gebet heran, das Weichen für eine lange Zeit stellt. Wenn Gott uns auffordern würde: „Bitte mich für dein weiteres Leben, egal was, ich
werde es auf jeden Fall tun!“ – dann wären wir erst einmal erschrocken und stumm.
Was soll ich da bitten? Es können nur Anliegen sein, die wahrhaftig gut für mich und andere sind, die also mit Gottes großem Plan übereinstimmen. Und diese Einladung darf natürlich auf keinen Fall ungenutzt bleiben. Tatsächlich fordert Gott uns auf, so zu bitten, zum Beispiel in Psalm 20,5. Und wir dürfen neben den kleinen auch die großen Sachen erbitten. Auch wenn Stolz oder Verzagtheit dabei ist, Gott wird das schon reinigen. Der Vater hat Jesus zugesagt (Psalm 2,8): „Bitte mich, so will ich dir Völker zum Erbe geben und der Welt Enden zum Eigentum.“ Wir haben Anteil an dieser Zusage. In der Zeit der Spannung zwischen vertrauensvoller Erwartung und Zweifel wird wieder das Gebet eine Rolle spielen: Die Begegnung mit Gott wird uns durchtragen: Wir gehen verzagt in die Gebetszeit hinein und kommen mit einer Zusage wieder heraus. Oft aber auch mit einer Idee zum Handeln, zum Tun eines nächsten Schrittes. „Gott ist nicht ein Mensch, dass er lüge ... sollte er also etwas sagen und nicht tun?“ (4. Mose 23,19)
… gegründet auf die Verheißungen Gottes.
Wolf Christian Jaeschke nahm mit dem Buch des Propheten Habakuk das Thema Verheißung auf. Dieses Buch enthält zunächst zwei Frage-Antwort-Zyklen zwischen Habakuk und Gott. Im ersten Kapitel klagt Habakuk über das verblie-bene Südreich Juda, das voller Bosheit ist (das Nordreich Israel war längst im Exil). Er fragt Gott, warum er das zulässt. Gott kündigt daraufhin an, er werde gegen Juda „die Chaldäer erwecken, ein grimmiges und schnelles Volk“, das „grausam und schrecklich ist“ (Habakuk 1,6.7). Ein zweiter Frage-Antwort-Zyklus entspinnt sich ab Kapitel 1,12: Aus der Bitte „lass uns nicht sterben“ spricht nicht nur
persönliche Angst, sondern auch Angst um Gottes Verheißung. Denn wenn die Chaldäer das Land einnehmen und auch noch Juda zerstören, kann der Erlöser dann noch kommen, der doch eben aus Juda stammen soll, wie Gott verheißen hat? Gottes Antwort finden wir in Ka-
pitel 2,2-4. Hier sagt er dem Propheten zu (Vers 3): „Die Weissagung wird ja noch
erfüllt werden zu ihrer Zeit. […] Wenn sie sich auch hinzieht, so harre ihrer;
sie wird gewiss kommen und nicht ausbleiben.“ In diesem Vers entdecken
wir die Elmente unseres fünften Grundwerts: Erwartungsvoller Glaube („sie wird gewiss kommen“) und ausdauerndes Gebet („harre ihrer“), gegründet auf die Verheißungen Gottes
(„die Weissagung wird ja noch erfüllt werden“). Es folgt dann der Vers, den Paulus später als Grundvers desEvangeliums zitiert: „der Gerechte aber wird durch seinen Glauben leben.“
Die nähere Zukunft sieht allerdings erschreckend aus. In Kapitel 3,16 sagt Habakuk (nach der Menge-Übersetzung): „Todesangst drang mir in die Gebeine, und bis unten hin schauderte ich zusammen, weil ich ruhig warten soll auf den Tag der Drangsal, bis das Volk heranzieht, das uns angreifen soll.“ Aber er beschließt dann, im Glauben zu leben. Obwohl „der Feigenbaum nicht grünen“ wird und überhaupt dem Volk die ganze Existenzgrundlage genommen sein wird, sagt er: „Aber ich will mich freuen des Herrn und fröhlich sein in Gott, meinem Heil. Denn der Herr ist meine Kraft, er wird meine Füße machen wie Hirschfüße und wird mich über die Höhen führen“ (3,18.19).
Das Buch Habakuk weist hier Parallelen zum Kolosserbrief auf. Darin schreibt Paulus, dass Christus „die Mächte und Gewalten ihrer Macht entkleidet“ hat, indem er für uns gestorben ist und „den Schuldbrief getilgt“ hat (Kolosser 2,14.15). Habakuk beschreibt diese „Mächte und Gewalten“ in Gestalt der Chaldäer, die von Norden her kommen (Habakuk 1,6).
Aber Gott zieht von Süden heran, um siezu überwinden (Habakuk 3,3). Das ist für uns in Christus geschehen. Und so wie Habakuk beschließt, sich nicht von der gegenwärtigen Situation beherrschen zu lassen, sondern sich von Gott „über die Höhen führen“ zu lassen, so heißt es in Kolosser 3,3-5: „Trachtet nach dem, was droben ist, nicht nach dem, was auf Erden ist. Denn ihr seid gestorben, und euer Leben ist verborgen mit Christus in Gott. Wenn aber Christus, euer Leben, sich offenbaren wird, dann werdet ihr auch offenbart werden in Herrlichkeit.“