Oben zuhause – unten unterwegs
Leben mit Ewigkeitsperspektive
Daniel Ackers
Auszüge aus einem Referat des Netzwerk-Wochenendes
vom 16.–18. April 2010.
Wir sind als Christen in einer finsteren Welt unterwegs in eine gewisse Zukunft im strahlenden Licht bei Gott. Mit dieser Wahrheit und Gewissheit bin ich in den ersten Jahren als Christ geprägt worden. Nichts ist falsch daran, und ich bin einerseits froh für diese frühe Prägung, andererseits führte die Betonung der Finsternis und Gefahren dieser Welt mit entsprechenden Durchhalteparolen zu einer gewissen Weltfremde und Bunkermentalität.
Eine biblische Begründung könnte
man in 2. Korinther 4,16–18 finden, wo Paulus die Leiden dieser Zeit vergleicht mit der unbeschreiblich größeren Herrlichkeit, die auf uns in der Ewigkeit wartet. Veranschaulichen mag dies das bei Sonnenuntergang aufgenommene Foto der Stadt Burlington am Champlain-See im US-Staat Vermont (siehe Seite 2 oben): Wir sind zwar vorne in der finsteren pulsierenden Stadt unterwegs, aber es wartet eine wunderschöne Ruhe auf uns – unterwegs in die Zukunft bei Gott.
Der Umzug zum Studium nach Bonn veränderte mein Umfeld radikal. Es entwickelten sich intensive Freundschaften mit nichtchristlichen Kommilitonen, und vor allem lernte ich die Navigatoren kennen, die mir halfen Bunkermentalität und Weltfremde schrittweise abzulegen. Ich lernte in dieser Spannung zu leben, „nicht von dieser Welt“ aber eben auch „in dieser Welt“ zu sein (nach Johannes 17).
Wichtige und lebensprägende Fragen nach dem Leben als Christ im Hier und Jetzt stehen seitdem viel mehr im Mittelpunkt. Wenn ich aus dieser Situation auf das Foto von Burlington schaue und angeregt durch die Einladung zu diesem Referat über meine Ewigkeitsperspektive nachdenke, frage ich mich, wie real diese wunderbare Zukunft eigentlich noch für mich ist. Ich bin in diesem pulsierenden Leben so beschäftigt, dass die Zukunftsaussicht zu einer Art Wandtapete verkümmert ist, die mir zwar präsent, aber keine Kraftquelle ist.
Aber ist ein Leben mit Ewigkeitsperspektive alleine ein Leben in der Zukunft?
Sollen wir permanent an unseren Tod oder an das Leben nach dem Tod denken? Wenn man den Zusammenhang des bereits erwähnten Abschnitts, 2. Korinther 4,16–18, liest, wird schnell klar, dass Paulus mit Leidenschaft mitten im Kampf seines Lebens steht und dass es dabei überhaupt nicht um Weltflucht geht. Deswegen finde ich die Übersetzung der Guten Nachricht sehr passend: „Ich baue nicht (anstatt „ich sehe nicht“) auf das Sichtbare, sondern auf das, was jetzt noch niemand sehen kann.“
Wie aber kann die Perspektive auf die Ewigkeit etwas werden, auf das ich im Hier und Jetzt baue? Wie kann diese Wandtapete, vor der ich so beschäftigt mein Leben führe, zur echten Realität werden? Dieser See da im Hintergrund meines Gewusels ist echt. Man kann ihn wirklich hören, sehen und riechen. Deswegen ist es angemessener von Ewigkeits-Wirklichkeit zu sprechen, in der wir hier bereits leben.
Ewigkeits-Wirklichkeit!
Wie kommen diese zwei Welten, die Ewigkeit und mein beschäftigtes Leben hier, wirklich zusammen? Dazu fallen mir beispielhaft drei Spannungsfelder ein:
1. Meine Identität
Ich dachte lange, je älter man wird, des-to klarer weiß man, wer man ist und was man kann. Man ruht in seiner Identität, und die familiären Wurzeln spielen eine immer geringere Rolle. Heute ahne ich, dass es eher umgekehrt ist. Um so wichtiger wird es, dass Gottes ewige Wirklichkeit meine begrenzte und zum Teil verzerrte Identität überdeckt. Die Bibel ist übervoll von Zusagen zu meiner Identität. Ich bin aufgenommen in eine Familie, Gott ist mein Vater, Jesus mein Bruder. Ich bin kein Gast in Gottes Gegenwart, sondern sein Hausgenosse, und es werden viele Vergleiche mehr benutzt, um das zu beschreiben, was wir tatsächlich sind.
Kann ich das tatsächlich als Realität glau-ben und begreifen? Es liegt eine unglaubliche Freiheit darin, aus der Identität zu leben, die ich von der anbrechenden Ewigkeit her habe – also auf das zu bauen, was man noch nicht sieht – was aber bereits real ist!
2. Mein Erfolg oder Misserfolg
Jeder möchte gerne einmal zufrieden auf sein Lebenswerk zurück blicken können. Aber welche Kriterien legen wir dafür zugrunde? Wir haben auf uns gestellt nur die Perspektive auf vielleicht 40bis 60 aktive Lebensjahre. Unsere Einschätzung kann daher ganz anders ausfallen, wenn wir Ewigkeits-Wirklichkeit mit unserer zeitlich begrenzten Wirklichkeit zusammen bringen.
Von der menschlichen, zeitlich begrenzten Perspektive her hätten z.B. David und Jeremia sehr unterschiedlich auf ihr Lebenswerk blicken müssen. Der Erste hat Feinde besiegt und ein Königreich etabliert, während der Zweite zeitlebens kein Gehör fand, unterdrückt und am Ende umgebracht wurde. Heute ahnen wir, dass aus Gottes Sicht Jeremias Leben völlig anders zu bewerten ist.
Lassen wir uns darauf ein, unser Leben immer wieder von Gottes Wirklichkeit her zu besehen – also wirklich realistisch zu werden?
3. Mein Beitrag
Was soll, von der Ewigkeit her betrachtet, mein Beitrag in diesem Leben sein?
Jesus sagt in dem Gespräch mit Pilatus: Ich bin dazu geboren und in die Welt gekommen, dass ich die Wahrheit bezeugen soll (Johannes 18,26).
Als seine Nachfolger sind wir dazu berufen, mitten in dieser Welt mit unserem Reden und Handeln für die Wahrheit des Evangeliums einzustehen – auch für die unbequeme Wahrheit. Das fällt uns postmodernen Menschen besonders schwer. Ich relativiere deshalb gerne mal, mit dem Vorwand eine verständliche Sprache sprechen zu wollen (an sich ja ein sehr gutes Anliegen). Aber es gibt Situationen, in denen Klarheit und Wagnis gefragt sind.
Wir haben auf der diesjährigen Studenten-Mitarbeiter-Konferenz Daniel 1+3 gelesen. Gott half Daniel und seinen Freunden dabei, die Sprache und Weisheit der Chaldäer besonders intensiv zu studieren, sich also gut in einer fremden Kultur bewegen zu können. Aber das hielt sie nicht davon ab, in ihrem Glauben sehr klar zu bleiben.
„Investiere in das, was ewig ist: in Gott, Gottes Wort und in Menschen“ hat Horst Günzel einmal in einem Referat Studierenden empfohlen.
Ausgehend von 2. Korinther 4,18: Ich baue nicht auf das Sichtbare, sondern auf das, was jetzt noch niemand sehen kann. Denn was wir jetzt sehen, besteht nur eine gewisse Zeit. Das Unsichtbare aber bleibt ewig bestehen.
Zum Schluss die Frage an uns alle:
Wie investiere ich zurzeit in Gott, in Gottes Wort und in Menschen?