Home
Home

Auf Gott fokussieren: Impulse aus dem Gebetsforum für Navigatoren-Angestellte im März 2014

Günter Kretz

Vier Tage! Gebetsforum mit Lee Brase, dem internationalen Gebetskoordinator der Navigatoren! Vier Tage im Gebet! Beim Aufschlagen meines Terminkalenders im Februar sprangen mir vier rote Markierungspunkte ins Auge. Rote Markierungspunkte in meinem Planer stehen für: Besonders wichtig, aber auch für anstrengend. Zweifel nagten an mir. War es wirklich richtig, für dieses Gebetsforum zuzusagen? Schon vier Stunden auf einmal schienen mir in meiner damaligen Verfassung zu viel.

Angekommen, durfte ich Erfahrungen machen, die mir bei Tagungen gänzlich unbekannt waren. Sie kosten mich normalerweise Energie. Hier nicht! Ich bekam mit jedem Tag mehr Energie und Kraft, nicht plötzlich, sondern ganz allmählich und in kleinen Schritten. Ich war einfach nur dankbar, dankbar für diese Zeit und für die Erfahrungen und Anregungen zum Gebet, die an mir und an den anderen Teilnehmern nicht einfach spurlos vorübergingen, sondern die mich ermunterten, hier einiges davon festzuhalten.

Manchmal erfahren wir im Gebet Zeiten, die ermüdend scheinen. Es ist so, als würde eine Decke der Müdigkeit auf uns liegen. Dann fangen wir erst gar nicht an zu beten oder die verschiedenen Anliegen werden irgendwie herunter gebetet und wir bringen es einfach hinter uns. Wir kommen in dieser Phase gar nicht von uns selber los. Wir kleben an unseren eigenen Gedanken, die spazieren gehen. Wir leben noch ganz in unserer Welt, und es fällt uns schwer, uns auf Gott oder sogar den anderen auszurichten. Ich glaube, jeder von uns hat das schon mal in den verschiedensten Ausprägungen erlebt.

Doch wie können wir aus diesem Kreisen-um-uns-selbst herauskommen? Indem wir lernen umzuschalten, anfangen, von uns wegzuschauen, unseren Fokus auf Gott richten und vielleicht sogar noch auf den anderen. Das ist möglich! Die eigene Not oder das eigene Dilemma haben ihre Berechtigung, und wir dürfen und sollen dies auch vor Gott und untereinander ausdrücken. Viele Psalmen beginnen ja ganz genauso – aber sie bleiben nicht dabei stehen. Die Psalmbeter bekommen irgendwann die Kurve – zu Gott und seiner Perspektive, seiner Sicht der Dinge und seinen Möglichkeiten. Sie bekommen die Kurve auf das, was Gott getan hat, und erinnern sich daran, wie er tatsächlich ist. So kommen sie weg von dem, was sie immer wieder um sich selbst kreisen lässt. Und das Unglaubliche dabei ist: Das Gebet gewinnt an Energie, die Ermüdung schleicht sich davon. Wie von selber wird es getragen, besonders wenn dies in einem Treffen mit anderen in einer kleinen Gemeinschaft passiert.

Es erscheint uns oft so, dass das Umschalten von unserem Kreisen-um-uns-selbst – um dann unseren Fokus auf Gott zu richten – erstmal mehr Energie kostet, weil wir es einfach nicht gewohnt sind. Aber wenn wir umgeschaltet haben, dann tritt genau das Gegenteil ein. Die Ausrichtung auf Gott selbst fängt an, uns Energie zu geben. Der Blick auf die Uhr und die innere Langeweile verschwinden. Echte Anbetung fängt an, und die Stille zwischendurch ist in keinster Weise peinlich, sondern es breitet sich ein tiefer Friede über die Gruppe aus. Die Anwesenden reden dann hinterher davon, dass das doch eine „dichte“ Gebetszeit war. Wer das einmal in einer Gruppe erfahren hat, kommt gerne wieder.

Dieses Geheimnis des „Umschaltens“ geschieht nun nicht automatisch oder ergibt sich irgendwie, wenn man nur lange genug betet. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass wir ganz schnell wieder bei uns selbst landen, wenn wir uns nicht bewusst auf Gott fokussieren. So sind wir. Es bedarf schon der bewussten Ausrichtung. Gebet ist ja eine persönliche und sensible Sache, und wir freuen uns darüber, wenn Menschen überhaupt beten oder erstmals ihren Mund auftun und Gott anrufen. Aber es gibt soviel mehr. Und wir dürfen gewiss sein: Gott hat mehr für uns, als wir bisher erfahren haben. Es gilt, diesen „kleinen Berg“ zu überwinden, den Berg, der uns die Sicht raubt, auf Gott zu schauen. Es ist fast wie in der Chemie. Dort bedarf es der Überwindung eines kleinen Ener-gieberges, damit die Reaktion dann wie von selber ablaufen kann. In der Chemie gibt es Stoffe, die diesen kleinen Energieberg reduzieren. Sie nennt man Katalysatoren. Diese Katalysatoren gibt es auch im geistlichen Bereich. Mit einigen davon habe ich gute Erfahrungen sammeln können:

Einer der ersten und wesentlichen Katalysatoren ist das Wort Gottes. Wenn ich Worte direkt aus der Bibel bete – am besten sind das Aussagen aus der Schrift, die das Wesen und die Taten Gottes beschreiben – dann kann sich mein Inneres an diese Aussagen anhängen. Sie schwingen in meiner Seele nach. Deshalb ist es auch gut, Bibelverse dazu auswendig zu lernen. Wenn ich sie im Gebet laut ausspreche, dann hängt sich meine Seele an diese Wahrheit dran und fängt an zu glauben. So erinnere ich mich vielleicht an den bekannten Psalm 23, der mit den Worten anfängt: „Der Herr ist mein Hirte …“; dann bete ich zum Beispiel: „Du, Herr, bist mein guter Hirte …“, und dann kommen mir weitere Assoziationen: „Du bist mein Versorger. Du sorgst für mich, danke dafür. Ich bin dir nicht gleichgültig. Bei dir bin ich nicht nur irgendeine Nummer. Du kennst mich ganz persönlich. Du bleibst bei mir –  auch wenn es dunkel wird. Du läufst nicht weg, wenn Gefahr droht. Du bist nicht fern von mir – ich bin in deinem Blickfeld. Und – ich bin nicht alleine …“ usw.

Ich habe bei mir beobachtet, dass solche Assoziationen nicht von alleine kommen, sondern eben durch das Wort Gottes „katalysiert“ werden, meine Seele erreichen, so dass ich sie aussprechen kann. Bibelverse wie: „Ich bin das Brot des Lebens …“ (Johannes. 6,35), „Ich bin das Licht der Welt …“ (Johannes 8,12), „Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben …“ (Johannes 14,6), „Ich bin das A und das O …“ (Offenbarung 1,8) und viele andere sind Türöffner für das Gebet, sich auf Gott zu fokussieren.

Wenn ich das Wort Gottes nicht aus dem Gedächtnis abrufen kann, dann schlage ich gerne nach und lese mir oder der Gruppe Verse vor. Eine andere Variante, sich auf Gott im Gebet zu fokussieren, sind Lieder, die das Wesen Gottes und seine Taten beschreiben. Dafür ist der emotionale Teil der Seele besonders erreichbar und empfänglich – auch bei mir. Da ich nicht musikalische Spitze bin, müssen oft einfache Lieder her, die man leicht nachsingen kann.

Ein weiterer Katalysator, den ich auf dem Gebetsforum erleben durfte, war das Aufeinander-Hören im Gebet. Indem ich auf das höre, was der andere sagt, werden mir Türen geöffnet, an die ich manchmal nicht im Traum gedacht hätte. Hier begegne ich Gedanken und Perspektiven, die mir neue Wege eröffnen, meine Beziehung zu Gott zu sehen und mich in seiner Gegenwart auszudrücken. Ich kann mich an diese Sicht des anderen sozusagen dranhängen, mich mit ihm vor Gott damit  verlinken“. Auf diese Art von Gebet gibt es in der Schrift eine doppelte Verheißung. Sie findet sich in Matthäus 18,19-20: „Wahrlich, ich sage euch auch: Wenn zwei unter euch eins werden auf Erden, worum sie bitten wollen, so soll es ihnen widerfahren von meinem Vater im Himmel. Denn wo zwei oder drei versammelt sind in meinem Namen, da bin ich mitten unter ihnen.“

Das heißt doch, dass dieses doppelt gebündelte Gebet, das „verlinkte“ Gebet noch mal mit einem echten Ausrufezeichen aus der Schrift versehen wird! Diese Art des Betens auf dem Gebetsforum, verbunden mit der spürbaren Nähe Gottes, macht Hoffnung. Hoffnung auf eine Gebetskultur, in der wir uns auf Gott selbst fokussieren sowie aufeinander hören und erfahren, dass Beten nicht Kraft raubt, sondern schenkt und trägt. Das macht Hunger nach mehr, nach mehr davon auf unseren Tagungen und Meetings, in unseren Kleingruppen und Zweierschaften. Ich bin gespannt darauf, wie dieser Same, der in diesen Tagen des Gebets gesät worden ist, unter uns aufgehen und wachsen wird

Günter Kretz ist als Navigatoren-Mitarbeiter in der Berufstätigenarbeit tätig. Er lebt mit seiner Frau Mechthild in Karlsruhe.

Bild: ©kallejipp /  photocase.com

Der Warenkorb ist leer