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Identitätskrise Berufsleben: Glaube in der Alltagsfalle

Philipp Jaeschke  

Nachdem man in der Studentenzeit häufig eine Phase starker geistlicher Prägung erfahren hat, ergeben sich beim Einstieg ins Berufsleben oftmals ungeahnte neue Herausforderungen. Die Frage, wie wir unsere geistliche Identität in der Lebensphase „Beruf, Familie und Gemeinde” entwickeln, war Thema des SüdWest-Regionaltags in Neustadt a. d. Weinstraße im Juli 2014. Einige Impulse möchte ich im Folgenden kurz weitergeben.  

Die Sache mit der Zeit

Die wahrscheinlich größte Herausforderung im Berufsalltag ist der plötzlich empfundene Mangel an Zeit. Vollzeitjob und dazu häufig noch das Familienleben lassen auf einmal weniger Raum für einen stetigen geistlichen Antrieb. Im Versuch, unsere geistliche Identität zu bewahren, stürzen wir uns oftmals reflexhaft in Kirchen- oder Gemeindemitarbeit, die jedoch häufig stark administrativ und nicht inhaltlich geprägt ist. Der geistliche Input für uns persönlich bleibt dabei leicht auf der Strecke. Zugleich empfinden wir unseren Dienst im Reich Gottes oft zunehmend als Belastung.  

Aufräumen mit falschen Vorstellungen

Zunächst müssen wir begreifen, dass unser ständiges „Beschäftigtsein” an sich nicht das eigentliche Problem ist. In seinem Buch „Crazy Busy” verweist der amerikanische Pastor Kevin DeYoung hierzu auf die Situation vor dem Sündenfall: „Und Gott der HERR nahm den Menschen und setzte ihn in den Garten Eden, dass er ihn bebaute und bewahrte” (1. Mose 2,15). DeYoung zieht hieraus die hilfreiche Schlussfolgerung, dass nicht etwa das Beschäftigtsein selbst ein Übel ist, sondern vielmehr die damit verbundene Mühsal. Ebenso vergessen wir häufig, dass Dienst im Reich Gottes für uns eine absolute Selbstverständlichkeit ohne Gegenleistung sein sollte. Jesus lebt uns dies vor: „Denn auch der Menschensohn ist nicht gekommen, dass er sich dienen lasse, sondern dass er diene [...]” (Markus 10,45). Wir dienen nicht, um dafür etwas zu bekommen, sondern ganz einfach weil wir dazu berufen sind.  

Drei Ratschläge

Um unsere Mitarbeit im Reich Gottes in gute Bahnen zu lenken, sollten wir uns drei Leitsätze vor Augen halten, die im ersten Moment provokant klingen mögen:  

Ratschlag 1: Denk erst an Dich selbst!
Unser Dienst im Reich Gottes muss stets auf eine gesunde Basis gestellt sein. Als sich Martha darüber beschwert, dass sie selbst die ganze Hausarbeit erledigen muss, während Maria Jesus zuhört, erwidert dieser: „Martha, Martha, du bist wegen so vielem in Sorge und Unruhe, aber notwendig ist nur eines. Maria hat das  Bessere gewählt, und das soll ihr nicht genommen werden” (Lukas 10,41-42). Zwar muss die Hausarbeit natürlich auch erledigt werden. Jesus will hier allerdings hervorheben, dass man auch in den eigenen Glauben investieren muss. Neben persönlicher Zeit in der Bibel und Zweierschaften/Kleingruppen sollten wir vor allem auch auf gute Predigten setzen. Hier ergeben sich durch das Internet hervorragende Möglichkeiten. Viele (und vor allem auch gute) Kirchen und Gemeinden stellen ihre Predigten online, häufig auch als Videos. Gute Predigten sind ebenso interessant wie bereichernd und können ohne weiteres ähnlich wie Fernsehserien in das persönliche Abendprogramm eingebunden werden.  

Ratschlag 2: Sei wählerisch!
In 1. Korinther 12 illustriert Paulus die Gabenvielfalt. Daraus lässt sich einiges schließen. Gott erwartet nicht, dass wir überall mitarbeiten und in der Gemeinde jeden Job machen. Auch Jesus war nicht überall gleichzeitig, er ist umher- gezogen. Er hat zwar an vielen Orten gepredigt und geheilt, aber er hat nicht zu allen Leuten in Israel gepredigt und alle Kranke geheilt. Gott erwartet nicht, dass wir überall mitmischen. Aber er erwartet sehr wohl, dass wir dort mitarbeiten, wo unsere Gaben liegen. Und darauf sollten wir uns besonders (aber nicht ausschließlich) konzentrieren.    

Ratschlag 3: Hauptsache Du hast Spaß!
In seinem lesenswerten Buch „Serving Without Sinking” rückt der britische Pastor John Hindley ein zentrales Versprechen von Jesus in den Fokus: „Kommt zu mir, ihr alle, die ihr euch plagt und von eurer Last fast erdrückt werdet; ich werde sie euch abnehmen” (Matthäus 11,28). Wir sehen, unser Dienst soll eigentlich nicht mühselig sein. Wenn wir das trotzdem so empfinden, dann läuft etwas schief. Und Hindley liefert gleich eine hilfreiche Illustration: die beiden Söhne im Gleichnis vom verlorenen Sohn (Lukas 15). Während sich der Ältere über die scheinbar mangelnde Wertschätzung seines Vaters ärgert, freut sich der Jüngere wahrscheinlich unbändig über dessen Gnade. Man kann sich vorstellen, mit welcher Grundhaltung beide Söhne hinfort ihrer Feldarbeit nachgehen. Der Ältere möglicherweise mit einem gewissen Groll, der Jüngere hingegen mit der Freude und Dankbarkeit des Erretteten. Sich stets neu Gottes unglaubliche Gnade bewusst zu machen, ist der wahrscheinlich größte Motivator für unseren Dienst im Reich Gottes. Es macht einen zu dem „fröhlichen Geber“, den Gott bekanntlich liebt (2. Korinther 9,7).      

Philipp Jaeschke ist Volkswirt und arbeitet für einen in Bonn ansässigen Dachverband. Er wohnt mit seiner Frau Hannah und den Kindern Toby und Miriam in Bonn.

Photo: © gregepperson / photocase.de

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