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NAVIGATOREN-HERBSTKONFERENZ 2015
NAH AN CHRISTUS – BRINGE ICH FRUCHT

Von Jahr zu Jahr mehr wird die HerbstKonferenz zu einem Fest der Generationen. Fast 200 Erwachsene, Jugendliche und Kinder trafen sich am Wochenende vom 30.10. bis 1.11. in Rehe, Westerwald, um der Verheißung aus Johannes 15,5 nachzugehen: Wer in enger Verbindung zu Jesus lebt, dessen Leben wird viel Frucht bringen. Ulrike Stedtnitz hat das Referat von Ramin Djamschidi zusammengefasst.

Als mich Daniel Ackers kurz nach Silvester fragte, ob ich auf der HeKo 2015 etwas zum Thema „evangelistisch leben“ sagen könnte, war meine erste Reaktion Freude. Kurz danach schlich sich aber Traurigkeit ein. Ich war traurig, weil der Soll-Ist-Vergleich nicht gerade Jubel auslöst, weder für mich persönlich, noch für uns als Werk. Ich will doch mit meinem Leben Vorbild sein, nicht nur darüber reden. Und ich hatte auch Angst, weil das Thema uns Navis immer wieder vor Zerreißproben stellt. Mein Referat würde dem einen zu forsch und dem anderen zu mild erscheinen. Und schließlich habe ich auch selber meine Schwierigkeiten mit dem „E-Wort“: Evangelistisch klingt für mich immer nach Projekten und Aktionen – aber ich will Frucht bringen, unabhängig von Projekten, in echten Beziehungen, nicht in Monologen: Evangelistisch wirksamer sein, das ist meine Sehnsucht.“

Mit diesem Einblick in sein Gefühlsleben begann Ramin Djamschidi sein Referat, um uns direkt im Anschluss den Bibelvers zu nennen, der für ihn alles zu diesem Thema zusammenfasst (Lukas 19,10): „Denn der Menschensohn ist gekommen, um zu suchen und zu retten, was verloren ist.“ Das ist Gottes Herzensanliegen. Damit sei doch alles gesagt, meinte Ramin – er habe sogar überlegt, an dieser Stelle abzubrechen und uns Zuhörer eine Stunde lang über diese Aussage Jesu nachdenken zu lassen.

Aber dann fuhr er doch fort. Auch als Werk haben wir eine Geschichte mit dem „E-Wort“. Ein europäischer Kollege hat mal versucht, es anhand verschiedener Farben zu beschreiben: Wir haben zwei Phasen durchlaufen, eine rote und eine blaue. In der roten Phase waren wir etwas zu direkt und elitär, oft auf unsensible Weise evangelistisch. Wir sind zahlenmäßig gewachsen, aber wir haben auch viel kaputt gemacht, Verletzungen sind entstanden. In der blauen Phase waren wir dann vorwiegend beziehungsorientiert, teilweise so übertrieben, dass wir selbst in „tiefen“ Freundschaften über Jahre das Wort Jesus kaum noch über die Lippen bekamen. Statt nur rot oder nur blau wollen wir aber eigentlich lila sein: Wir wollen das Beste aus beiden Phasen miteinander kombinieren. Wir wollen biblisch und verständlich, wir wollen klar und liebevoll sein.

Was hindert uns daran? Egal ob rot, blau oder lila, Störfaktor Nr. 1 sind wir selbst. Ramin wörtlich: „Wie soll ein so dermaßen korruptes und egozentrisches Wesen wie ich oder auch du Gottes gute Nachricht empfangbar verkünden?“ Ein Schlüssel wäre, dass wir uns wieder vor Augen halten, wie uns Gott sieht, und erkennen: Wenn er uns ansieht, sieht er Jesus, der uns deckt. Dann muss unsere Reaktion darauf doch eine derart große Dankbarkeit und Freude sein, dass sie andere einfach mitreißt und neugierig macht auf die Gründe dafür.

Als den Störfaktor Nr. 2 identifizierte Ramin die Dornen, mit denen Jesus im Gleichnis vom Sämann den vorletzten Boden beschreibt (Matthäus 13,22): die Sorgen der Welt und den Betrug des Reichtums, die sowohl das gesäte Wort in uns als auch unsere Wirksamkeit nach außen zunichte machen.

Störfaktor Nr. 3 schließlich ist ein ganzes Bündel, die Besonderheiten unserer Zeit: Rastlosigkeit, die keinen Augenblick zulässt, in dem man über das eigentlich Wichtige nachdenkt. Die Erkenntnislosigkeit. Früher wussten die Menschen einiges über den christlichen Glauben. Wir mussten sie nur kurz „aufwecken“, damit sie merken: Es kommt auf die persönliche Beziehung zu Gott an. Außerdem die Gnadenlosigkeit unserer Zeit, unsere Leistungsorientierung, unsere Unfähigkeit, mit Versagen umzugehen. Wir müssen so tun, als ob wir erfolgreich wären und dulden kaum noch Fehler beim anderen. Und schließlich: Uns gehen biblische Vergleiche für die Beziehung zwischen Gott und dem Menschen verloren. Die Ehe, die auszusterben droht, ist ein letztes großes Beispiel dafür. Sie veranschaulicht vor allem die Verbindlichkeit und das Sich-Aufgeben für den anderen. Je mehr uns diese Bilder verloren gehen, desto schwerer ist es, Gottes Beziehung zu uns verständlich zu erklären. Als die Jünger Jesus einmal fragten, warum sie einen Menschen nicht heilen konnten, antwortete er, dass in dem Fall nur Beten und Fasten helfen würden. Ramin forderte uns heraus: Erfordern die Besonderheiten unserer Zeit vielleicht auch so eine intensive Hinwendung zu Gott?

An dieser Stelle lud Ramin dazu ein, uns freizumachen von unseren Ängsten, Sorgen und der Einengung durch Störfaktoren. Dafür gab er uns vier mutmachende Basics mit auf den Weg:

1. Vom Wunder zweiten Grades.
Wunder ersten Grades sind offensichtlich – spontane Krankenheilungen etwa. Wunder zweiten Grades sind die, bei denen wir Menschen den Rahmen dafür schaffen müssen, dass etwas geschieht. Die natürliche Geburt ist ein solches Wunder. Gott hat Gefallen daran, uns eine Aufgabe dabei zu geben, wie ein Kind entsteht – und trotzdem ist er der Autor der Geburt. Es ist und bleibt ein Wunder, wenn ein neuer Mensch entsteht. Genauso ist es bei der geistlichen Geburt. Auch hier gefällt es Gott, uns eine Rolle in seinem Handeln zu geben – und trotzdem ist nur Gott Autor jeder geistlichen Geburt. Die „Blauen“ unter uns erinnerte Ramin hier an Römer 10,14: „... wie kann man an jemand glauben, von dem man nichts gehört hat?“ Wie kann das Evangelium wirksam werden, wenn wir es für uns behalten? Und den „Roten“ unter uns sagte er: Die Geburt – natürlich wie geistlich ist kein Automatismus! Ob Gott sie schenkt, steht nicht in unserer Macht. Und den Theoretikern gab er mit: Wissen reicht nicht aus. Unsere aktive Beteiligung ist gefragt.

2. Vom Befolgen der Anleitung.
Ramin erzählte von seinem kleinen Garten, dessen Rasen über Jahre beschämend aussah, voll von kahlen Stellen. Irgendwann gab es beim Discounter Rasensamen. Diesen verstreute er wild, jedoch ohne die Anleitung gelesen zu haben. Aufgrund dieses Versäumnisses und seiner Bequemlichkeit fiel das Ergebnis entsprechend aus: Die Rasenfläche blieb braun. Ein Jahr später kaufte er im Fachgeschäft noch einmal Rasensamen. Diesmal las er die Anleitung: Darin hieß es neben vielen anderen praktischen Tipps, man solle den Garten vor der Aussaat umgraben. Nun klappte es tatsächlich. Es war eine Illusion zu glauben, dass der neue Rasen wachsen würde, ohne der Anleitung zu vertrauen. Die Anleitung Gottes in Johannes 15,1–8 liefert uns erhellende Hinweise dazu, was wir im Zusammenhang mit Fruchtbringen beachten müssen – und zwar so, dass es zu Gottes Ehre geschieht. Er wird Frucht wirken (15,2), viel Frucht (15,5), reiche Frucht (15,8). Der einzige Imperativ im Text ist: Bleibt! Bleibt in mir! In unserem Bestreben, unseren Nachbarn zu erreichen, fordert uns Jesus auf: Verlasst mich nicht! Verschweigt mich nicht! Bleibt in mir!

3. Vom Überlaufen des Glases.
Zur Veranschaulichung benutzte Ramin ein Glas Wasser, das er aus einem vollen Krug permanent füllte, sodass das Wasser überfloss. Wenn wir uns so von Gottes Wort füllen lassen wie ein Glas, das aus einem nicht endenden Wasserstrahl gefüllt wird, werden wir überlaufen. Wenn ich mich nicht von Gottes Wort füllen lasse (Ramin drehte dazu das Glas mit der Öffnung nach unten) oder wenn ich zwar Gott und der Bibel zugewandt bin, aber mit den vielen genannten „Störfaktoren“ die Öffnung zustopfe, geht meine Wirksamkeit gegen null. Gottes Wort fließt äußerlich an mir weiter und bewirkt seine Früchte. Aber ohne mich. Wenn wir uns wirklich von Gottes Wort ernähren, wenn wir wirklich an ihm bleiben, dann sind wir beteiligt daran, wenn Frucht entsteht.

4. Von dem fast unbezahlbaren Preis
Aber „in Christus bleiben“, das ist kein Hobby. Und „Jünger“ ist kein Titel, den man durch irgendeinen Kurs erwerben kann. Es ist viel mehr: Jünger sind Lernende, deren Liebe zu Jesus so stark ist, dass im Vergleich dazu selbst die gebotene Liebe zu anderen Menschen ziemlich blass aussieht, ja wie „Hass“. Ramin will das nicht verschweigen. In Lukas 14,26 heißt es nämlich: „Wenn jemand zu mir kommt und hasst nicht seinen Vater, Mutter, Frau, Kinder, Brüder, Schwestern und dazu sich selbst, der kann nicht mein Jünger sein.“ Wir alle müssen uns ernstlich die Frage stellen: Wollen wir wirklich diesen Preis zahlen, unser Kreuz auf uns nehmen und Jesus folgen, auf dass wir Frucht bringen?

Am Ende machte Ramin klar: Wir werden Frucht bringen, mehr Frucht bringen, viel Frucht bringen, wenn wir uns intensiv und regelmäßig aus Gottes Wort ernähren und unser Gebet davon bestimmen lassen. Wenn wir Liebe und Vergebung untereinander und nach außen leben und dabei unseren Mund auftun. Dann wird es passieren: Gott wird Frucht schenken – auf seine Art, zu seiner Ehre.

ULRIKE STEDTNITZ promoviert in Münster in Amerikanischer Geschichte.

Photo:  © GoodwinDon / photocase.com

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