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Zeit zu Glauben - Gedanken zum Jahreseinstieg

Mein Freund Thomas brachte es letztens wieder auf den Punkt. Völlig unerwartet hatten ihn schlimme Rückenschmerzen komplett außer Gefecht gesetzt. Ausgerechnet an Heiligabend. „Ich glaube an Gott – natürlich bleibt das wahr für mich, auch in so einer Situation – aber ‚ich glaube Gott’, das kommt mir plötzlich viel schwerer über die Lippen.“ Gott immer noch glauben, wenn mir die Kontrolle entgleitet, ihm vertrauen für das, was er mir zumutetund zusagt – das ist eine tiefe Anfrage.

Ich kenne das auch: wie sich in Stresssituationen mein Blick so verengt, dass ic hnur noch auf mich und meine Bedürfnisse fokussiert bin. Wie alle Energie dabei draufgeht, eine Haltung zu finden, in der es nicht so weh tut. Passiert nicht genau das gerade auch in unserer Gesellschaft? Der Druck von außen wächst, fremde Menschen und Weltanschauungen drängen ins Land und in unsere Wohlfühlzonen. Gewohnte Strukturen passen nicht mehr, und was in Jahrzehnten an Vertrauen gewachsen war in Europa, zerbröselt in wenigen Wochen. Die Ereignisse der Silvesternacht haben unsere Schmerzgrenze viel zu weit überschritten. Und das alles kommt ja noch obendrauf auf unsere ganz persönlichen Lebenskämpfe. Um was sollen wir uns denn noch alles kümmern? Auf die Furcht in den Herzen folgt oft Härte.

Wenn wir Anzeichen davon in uns spüren, ist es Zeit, alles andere liegen zulassen und um unseren Glauben zu kämpfen. Wofür glaube ich meinem Gott tatsächlich – kann ich das noch klar benennen, wenn meine Unsicherheit wächst? Wenn ich beginne, mich mit den Gefahren intensiver zu beschäftigen als mit dem, was ich über Gott weiß, wird das Menschenmögliche mein Maßstab. Und ganz schnell lande ich beider misstrauischen Frage der Jünger im Sturm: Ist es Dir denn völlig egal, Jesus, dass wir untergehen? Die Vermutung liegt nahe, dass Jesus seine Gefährten gezielt in diese Erfahrung geführt hat: Durch schmerzhaften Kontrollverlust hindurch wächst staunende Ehrfurcht vor seiner Macht über die Gewalten. Die bloße Erinnerung an diesen Moment hatte wahrscheinlich ein Leben lang glaubensstärkende Depotwirkung für die Jünger. Und sie wirkt durch Gottes Geist bis heute in uns weiter!

Es ist wahr, dass es Gott gibt, dem die Kontrolle über diese Welt nicht entglitten ist. Ich glaube an Gott, der seine Geschichte mit der Welt und mit uns zu Ende schreiben wird. An Gott, der uns „kleiner Herde“ ein Reich anvertraut hat, das schon da ist und noch kommt, der uns durch Jesus Christus eine gute Botschaft gegeben hat, für die wir uns nicht schämen müssen, sondern die durch ihn Kraft hat zum Heil und zur Rettung. Ich glaube an Gott, dem alle Dinge möglich sind. Biblische Wahrheiten tragen uns weit hinein in die geistliche Wirklichkeit. Aber was ist belastbare Hoffnung in bedrängten Zeiten?

Die entscheidende Frage wendet sich direkt an ihn, Gott selbst: „Glaube ich Dir, Gott?“ Kann ich Dir gegen alle berechtigt eAngst vertrauen, dass Du tatsächlich so bist, wie ich es für wahr halte? Als der gläubige Jude Jairus, mit Jesus auf dem Weg zu seiner todkranken Tochter, erfährt, dass alle Hoffnung umsonst war und er mit dem Retter an seiner Seite zu spät kommen wird, fordert Jesus ihn zu dieser Entscheidung heraus: „Hab keine Angst! Glaube nur.“(Markus. 5,36).Wie radikal das ist in einer menschlich so völlig verzweifelten Situation. Was soll Jairus tun? Weiter mit Jesus gehen, mitten in den Schmerz hinein, der zuhause auf ihn wartet? Oder resigniert aufgeben und trauern?

Wir können uns für das Jahr 2016 viele bedrohliche Szenarien erdenken. Manches ist ja sogar schon Realität. Angst zu haben in dieser Welt, ist berechtigt und unausweichlich, da ist Jesus ganz klar. Aber er erinnert uns auch daran, dass er sich als stärker erwiesen hat. Wohin lassen wir uns also treiben von der Angst? Näher ran an den Gefährten an unserer Seite, den Überwinder der Welt, der uns einlädt, mit ihm Schritt zu halten (egal ,ob er sich aus unserer Sicht viel zu viel Zeit nimmt oder zu schnell rennt)? Oder lassen wir uns zurückfallen auf menschliche Erklärungsmuster, immer trauriger und wütender über das, was um uns herum passiert?

Womit navigieren wir eigentlich gerade, worauf verlassen wir uns in Zeiten, in der auch wir „Gläubige“ so leicht der Panikmacheer liegen? Natürlich brauchen wir Einsicht und gute Pläne. Aber was wir vor allem brauchen, ist Vertrauen in den Einen, dem die Kontrolle nie entgleitet. Dass wir im Blickkontakt mit Gott bleiben. „Gott-Fokus“ nennt es ein Freund von mir und erinnert mich immer wieder daran, mir gezielt und immer detaillierter vor Augen zu halten, wie Gott sich mir in der Bibel, in Menschen, in seiner Schöpfung von Ewigkeit her und täglich neu offenbart. Er selbst will uns Kompass sein.

Die Entschlossenheit, gegen alle Ängste Gott zu glauben, die möchte ich auch gerne spüren, immer wieder neu. Lasst uns andere einladen, Jesus zu glauben, darum ringen, fest zu werden in unseren ganz persönlichen Schritten an seiner Seite. Lasst uns Hoffnungsträger sein für Einzelne um uns herum. Lasst uns glauben, dass sich so unser Land verändern kann. „Aus dem Kleinsten sollen Tausend werden, aus dem Geringsten ein mächtiges Volk“ (Jesaja 60,22a). Und zwar dann, wenn Gott es will.

DANIEL ACKERS ist Leiter der deutschen Navigatoren und lebt mit seiner Frau Claudia in Hannover.

Bild: manun / photocase.com

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